Zwei Siege in Folge – das ist der Wiener Austria in der laufenden Bundesliga-Saison erst einmal gelungen, Anfang September. Nach dem 2:1 gegen die Admira und dem 2:0 gegen St. Pölten konnten die Veilchen nun erneut zwei Dreier in Folge anschreiben.
Während der Erfolg in der Südstadt abgesehen vom Ergebnis noch wenig Positives zu bieten hatte, war bei den Violetten diesmal eine klare Leistungssteigerung zu erkennen.
„Nach einigen schlechten Resultaten sind wir positiv geblieben, haben hart gearbeitet und das zahlt sich jetzt aus“, freut sich Uros Matic. Auch sein Trainer, Thomas Letsch, zeigt sich nach dem Spiel „zufrieden“.
Seine Analyse: „Wir waren von Anfang an sehr präsent, haben den Gegner schon zu Beginn richtig reingepresst, uns vorne festgebissen. Wir sind dann auch absolut verdient in Führung gegangen. In der ersten Hälfte hatten wir das Spiel die meiste Zeit im Griff.“
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„Nach der Pause hat St. Pölten umgestellt, wir haben dann auch etwas verändert und hatten relativ schnell wieder Zugriff. Am Schluss waren beim Gegner gefühlt nur Stürmer am Platz, trotzdem haben wir es geschafft, nichts Zwingendes zuzulassen. Aber klar, gab es die eine oder andere Situation, vor allem, als wir zu tief hinten drinnen gestanden sind, wo es gefährlich werden hätte können“, so der Deutsche.
"Man muss die Kirche im Dorf lassen"
Um in Jubelstürme auszubrechen, ist die schwache Phase der vergangenen Wochen aber noch viel zu präsent. Die Austrianer sind sich bewusst, dass die beiden Siege gegen derzeit nicht gerade in Hochform befindliche Teams, mehr Pflicht als sonst irgendwas waren.
Michael Madl sagt: „Man muss die Kirche im Dorf lassen, wir haben zwei Spiele gewonnen, das war okay, da war aber nichts Überragendes dabei. Wir müssen schon weiter Gas geben. Wir sollten bodenständig bleiben und das Kritische ganz offen ansprechen.“
Denn Luft nach oben ist immer noch in einigen Bereichen. Etwa was die Konterchancen angeht. Gegen St. Pölten fand der FAK nach der Pause zahlreiche vor, vergab sie allerdings reihenweise. „Wenn wir die Konter besser ausspielen, dann machen wird das 3:0, St. Pölten gibt sich auf und das Spiel ist gegessen“, ärgert sich Madl.
Als die Gäste aus Niederösterreich gegen Ende der Partie alles nach vorne warfen, geriet die violette Defensive unter Druck. „Wir haben uns zu weit hinten reindrängen und Hektik aufkommen lassen“, weiß Madl.
Madls Rückkehr
Dass nichts passiert ist, lag nicht zuletzt an der starken Vorstellung des Innenverteidigers. Erstmals seit Ende September stand der Steirer, der wegen einer Oberschenkelverletzung passen musste, wieder von Beginn an am Feld.
Nach dem gelungenen Comeback gibt es Lob von Letsch: „Er hat mir sehr gut gefallen. Er hat von Anfang an die Mannschaft hinten immer wieder rausgejagt, war sehr präsent, hat gut nach vorne verteidigt. Das war schon sehr gut. Er ist ein Spieler, der den Laden da hinten zusammenhalten kann.“
Madl selbst freut sich über seine Rückkehr: „Es ist immer ein schönes Gefühl, nach einer Verletzung zurückzukehren – vor allem, wenn man mit den eigenen Fans im Rücken gewinnt. Wenn mir die drei, vier Krämpfe in den Waden nicht eingefahren wären, wäre es perfekt gewesen. Aber es ist normal, dass man noch nicht bei 100 Prozent ist, wenn man nach einer Verletzung zurückkommt.“
Mit 66 Ballkontakten war der 30-Jährige der Mann, der am öftesten das Leder berührte. Es war deutlich zu erkennen, dass die Defensivreihe durch seine Präsenz im Spielaufbau an Sicherheit gewann, sich mehr zutraute.
VIDEO: Noch mehr Infos zu Madls starkem Comeback!
(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)
Zugetraut hat sich auch Matic etwas – nämlich einen Schuss aus rund 25 Metern, der für die 1:0-Führung sorgte. Es war kein Zufall, dass der Serbe just in dieser Partie aus der Distanz erfolgreich war.
Der Auftrag des Trainers an Matic
Matic verrät: „Der Trainer hat in der letzten Woche viel mit mir darüber gesprochen, dass ich mehr aus der Distanz schießen soll. Ich habe im Training daran gearbeitet und es hat sich ausgezahlt. Wir haben diese Situationen im Training oft geübt. Wenn du etwas 100 Mal trainierst, machst du es im Spiel automatisch. Es war ein wirklich guter Pass, und ein guter Schuss von mir.“
Letsch forderte in den vergangenen Tagen von seinen Spielern vermehrt ein, den Abschluss zu suchen: „Es ist eine relativ einfache Fußball-Weisheit: Wenn man nicht aufs Tor schießt, wird man auch kein Tor schießen. Wir haben so oft Situationen, wo wir im Bereich um den Strafraum schießen könnten…“
Es war jedenfalls ein positives Signal vom Neuzugang, der in den vergangenen Wochen vermehrt in der Kritik gestanden war, den hohen Erwartungen in Wien bislang kaum gerecht wurde.
"Ich spiele gerne in der Mitte, ich bin zentraler Mittelfeldspieler"
„Ich achte nicht darauf, was irgendwo über mich geschrieben oder gesagt wird. Ich selbst und wir als Team können es besser, natürlich. Dieser Verein ist es gewöhnt, Titel zu gewinnen, da ist es nicht einfach, wenn du in der Tabelle auf Rang fünf oder sechs stehst. Es liegt jetzt an uns, hart zu arbeiten, jedes Spiel so zu bestreiten, als wäre es unser letztes – dann werden die Resultate kommen“, sagt Matic.
Diskutiert wurde zuletzt auch, ob der 28-Jährige, der mit drei Toren und drei Assists übrigens ex aequo mit Alexander Grünwald violetter Topscorer in der laufenden Meisterschaft ist, richtig eingesetzt wird.
Seit der Umstellung auf ein 4-1-2-3 wird Matic zentraler eingesetzt als zu Saisonbeginn, als mit einer Raute im Mittelfeld gespielt wurde. Dem Legionär gefällt’s: „Ich spiele gerne in der Mitte, ich bin zentraler Mittelfeldspieler. Heute habe ich auf dieser Position gespielt, ich war näher am Tor dran und am Ende hatte ich die Möglichkeit, ein Tor zu schießen.“
In verletzungsbedingter Abwesenheit von Kapitän Grünwald ist Matic auf dem Feld umso mehr gefragt. Das ist ihm bewusst: „Wir vermissen Grünwald – er hat eine Menge Chancen kreiert und Tore erzielt. In dieser Situation müssen andere Spieler die Leader-Rolle übernehmen.“
Standards als neue Stärke
Und wenn es aus dem Spiel heraus nicht klappt, dann sind es immer noch Standards, die der Austria seit Neuestem die Haut retten. Gegen die Admira waren es Friesenbichler (nach einem Corner) und Sax (direkter Freistoß), gegen St. Pölten Klein (nach einem Corner), die infolge ruhender Bälle erfolgreich waren.
Letsch stellt zufrieden fest: „Wir haben in den letzten zwei Spielen drei Standard-Tore geschossen – um diesen Bereich kümmern sich in der Offensive bei uns die Assistenztrainer Roman Stary und Max Senft. Es freut uns, dass das greift.“
Dass die fünftplatzierte Austria aus ihrer Krise gefunden hat, macht sich auch in der Tabelle bemerkbar. Die Rückstände auf den Dritten St. Pölten (2 Punkte) und den Zweiten LASK (6 Punkte) schrumpfen.
„Ich schaue auf die Tabelle und ein Sportler sollte immer nur nach oben schauen, nicht nach unten“, sagt Madl.