Es war die große Überraschung im Vorfeld des Showdowns zwischen dem SK Rapid Wien und Inter Mailand, der mit 0:4 verloren ging (Spielbericht>>>).
Ausgerechnet im Sechzehntelfinal-Rückspiel der Europa League im Giuseppe-Meazza-Stadion musste der sonst stets gesetzte Kapitän Stefan Schwab bis zur 64. Minute auf der Bank schmoren.
Ausgerechnet Schwab, ausgerechnet beim großen Highlight, ausgerechnet in seinem Lieblingsland, wo er sich seine Zukunft vorstellen kann und seine Frau Halb-Italienerin ist.
Der Frust war ihm anzusehen. In der Mixed Zone verweigerte er Interviews vor der Kamera und der Presse. Die Angst, etwas Falsches zu sagen, schien zu groß. Doch warum musste Schwab gegen Inter zu Beginn zuschauen?
Was Kühbauer durch Schwabs Fehlen wollte, ging nicht auf
Trainer Didi Kühbauer bewies einmal mehr, dass er seine Rotation mit Kalkül beinhart durchzieht und auch vor großen Namen nicht zurückschreckt.
Dabei fiel Schwab seinen Plänen zum Opfer – ausgerechnet im Kräftemessen mit einem der Top-Teams aus Italien.
„Ich wollte mit einem klassischen Zehner spielen, und Knasmüllner ist so einer. Deshalb habe ich mich so entschieden. Ich habe gewusst, dass wenn wir länger die Null halten können, was eigentlich der Plan war, dann hätte ich nachtauschen können, weil wir so noch sehr viel Qualität in der Offensive haben. Aber das haben wir uns selbst kaputt gemacht, in dem wir diese zwei Fehler gemacht haben. Eine Klasse-Mannschaft wie Inter nützt das dann eiskalt aus. Aber ich wollte eben Qualität nachtauschen“, rechtfertigte Kühbauer seine Entscheidung zum Leidwesen von Schwab.
Mehr Erfahrung, Ruhe am Ball und strategisches Geschick in Person von Schwab hätte aber möglicherweise auch von Beginn an positive Auswirkungen auf das Auftreten der Mannschaft gehabt.
Absoluter Stammspieler unter Kühbauer – aber nicht gegen Inter
Schwab agierte im Herbst nicht in Topform, das ist dem 28-jährigen Saalfeldner auch selbst im Rückblick bewusst. Trotzdem war er unter Kühbauer stets ein Fixstarter.
In den 17 Pflichtspielen bis zum Inter-Spiel, seit Kühbauer am 1. Oktober 2018 seinen Herzensklub übernahm, kam der Mittelfeldspieler in allen zum Einsatz. 15 Mal spielte er durch, einmal wurde er in der 72. Minute ausgewechselt und einmal kam er von der Bank – auswärts in der EL-Gruppenphase gegen Spartak Moskau.
Es war somit keine Premiere gegen Inter, allerdings schon eine Entscheidung, die Schwab nach außen hin mit Fassung aber nach innen wohl mit viel Ärger hingenommen haben wird.
Für Kühbauer gab es mit Sicherheit keinen persönlichen Grund, jenen Spieler, den er schon aus Admira-Zeiten kennt, aus der Mannschaft zu stellen.
Keine Schonung von Schwab für Salzburg
Auch der Sonntags-Schlager gegen RB Salzburg soll noch nicht seine Schatten vorausgeworfen haben.
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Bei der Pressekonferenz vor dem Inter-Spiel wurde Schwab noch gefragt, ob es ein Problem sei, vier Spiele über 90 Minuten innerhalb von zwei Wochen zu absolvieren. Aufgrund der noch jungen Frühjahrssaison war das für den Salzburger kein großes Thema, möglicherweise aber für Kühbauer, um einen fitten Kapitän gegen den Tabellenführer aufbieten zu können?
„Wenn wir nur an Sonntag gedacht hätten, wäre das schlecht gewesen. Das hat überhaupt keine Rolle gespielt. Wir wollten die Defensive noch immer kompakt halten, nämlich mit Grahovac und Ljubicic als Sechser. Aber ich wollte mit Knasi, der sicher in der Offensive mehr Qualität hat, mehr Offensivstärke reinbringen. Unser Plan war der, dass wir bis zur Pause kein Tor bekommen und dann nachtauschen. Leider haben wir das nicht geschafft. Deshalb war der Plan dann schon sehr schnell dahin“, erklärt Kühbauer noch einmal seine Intention.
Selbst Mitspieler schienen überrascht gewesen zu sein, dass es auch den Kapitän treffen kann. Andere Leistungsträger mussten ja bereits Erfahrung mit der Rotation machen.
Schwab muss nun Größe zeigen
Als Schwab dann erst in der 64. Minute ins Spiel kam, war die Partie so gut wie gelaufen und er konnte keine großen Impulse mehr setzen.
Zuweilen auch sein „Ersatzmann“ Knasmüllner nur in der Anfangsphase gute Ideen hatte, aber seine Aufstellung mit Sicherheit nicht zu hundert Prozent rechtfertigte.
Beim Verlassen des Platzes winkte der eigentliche Kapitän scheinbar noch Bekannten auf der Tribüne zu, senkte das Haupt und verschwand in den Katakomben im San Siro.
Nach der Enttäuschung wird jedoch schon am Sonntag gegen RB Salzburg wieder viel von ihm abhängen – da wird er so gut wie sicher wieder in der Startelf stehen. Gerade in dieser Phase muss Schwab zeigen, dass er mit gutem Vorbild vorangehen kann und eine Nicht-Berücksichtigung akzeptiert werden muss – auch wenn das oft sehr hart sein kann.