Unser Kopf arbeitet wahrscheinlich viel zu viel.
Der Vorfall hat auch eine breite Debatte über die Belastungen ausgelöst, denen Fußballtrainer bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind.
"Unser Kopf arbeitet wahrscheinlich viel zu viel", sagte Leipzig-Coach Martin Demichelis am Wochenende. "Der Stress in der Bundesliga oder allgemein in unserem Geschäft ist sicherlich sehr groß", bestätigte auch sein Dortmunder Pendant Niko Kovac. "Wer passt schon auf den Trainer auf?", stellte er eine berechtigte Frage und lieferte sogleich die Antwort: "Wenn der Trainer nicht auf sich aufpasst, beziehungsweise die Familie, dann ist es, glaube ich, ein bisschen schwieriger."
Veh: "Hast tausend Gedanken"
Ex-Bundesliga-Trainer Armin Veh (u.a. HSV, Stuttgart, Frankfurt) sprach dabei vielleicht einen der wichtigsten Punkte an: Krankheiten haben im Trainergeschäft kaum Platz. "Du kannst es dir nicht leisten, dass du nicht dabei bist", sagte er bei "Sky90".
Als Trainer habe man immer Druck, mache sich "tausend Gedanken, du hast Verantwortung. Und wenn du international spielst, musst du dich alle drei Tage immer wieder vorbereiten, weil du am Ende dastehst und die Dinge erklärst" gab er zu verstehen. "Du baust die Mannschaft wieder auf, du baust den Spieler auf, hast den Staff und so weiter. Und das hast du alle drei Tage, und dann bist du irgendwann mal kaputt", betonte er.
Du willst dir danach auch nicht irgendwo etwas nachreden lassen, dass du irgendwas falsch gemacht hast.
Natürlich seien Fußballtrainer auch mal krank, so Veh. Pausen gönnen sie sich aber selten. Man sei dann, aus genannten Gründen, trotzdem dabei, betonte Veh.
Matthäus gewährt Einblicke
Man wolle "perfekt sein, keine Fehler machen", unterstrich Lothar Matthäus in derselben Sendung. "Du willst dir danach auch nicht irgendwo etwas nachreden lassen, dass du irgendwas falsch gemacht hast: die Taktik, den falschen Spieler aufgestellt oder den Gegner vielleicht nicht so analysiert, wie es sein muss. Und diese Gedanken gehen dir vor allem nachts durch den Kopf, wenn du wach wirst und nichts um dich herum passiert", blickte er auf seine eigene Zeit als Trainer zurück.
Er sei oftmals "um vier Uhr wach geworden" und habe "irgendwann um sieben Uhr Kaffee getrunken", in der Zeit dazwischen habe er nur an Fußball gedacht.
Kompany mit 18-Stunden-Tag
Auch bei Kompany schonte sich bei seiner Arbeit kaum. Bereits im Vorjahr erklärte sein Vater gegenüber der "Bild", dass sein Sohn "meist 18 Stunden am Tag" arbeite. Er sei morgens einer der Ersten auf dem Bayern-Campus und der Letzte, der gehe.
Vor diesem Hintergrund mahnte Union Berlins Coach Martin Lustrinelli gegenüber dem "Tagesspiegel", dass es wichtig sei, sich bewusste Auszeiten zu nehmen. "Das ist ein Signal. Manchmal braucht man die Pause", so der Coach der "Eisernen". Er selbst mache dies jedenfalls: "Manchmal brauche ich zehn Minuten, eine halbe Stunde, zwei Stunden", erklärte er. Es sei wichtig, "die nötige Ruhe und das Gleichgewicht zu finden". Zwei Dinge, die Kompany nun bestens gebrauchen kann - und hoffentlich auch findet.
Seinem Trainerkollegen wünsche er alles Gute und brachte im selben Satz auf den Punkt, was sich viele im Fußball aktuell wohl denken: "Wir vermissen ihn."