Die Deutsche Regionalliga West versinkt immer mehr im Chaos.
Die Saison droht mit zwei Klub-Pleiten zu Ende zu gehen, ein weiterer Verein ist bereits aus der Liga ausgestiegen. Dabei handelt es sich um Aufsteiger Türkspor Dortmund, der bereits im März seine Mannschaft zurückzog.
"Wir haben erkannt, dass wir weder finanziell noch sportlich konkurrenzfähig sind und wollten durch unseren Rückzug größere wirtschaftliche Schäden und eine potenzielle Insolvenz vermeiden", so Präsident Dr. Akin Aka gegenüber "Reviersport". Alle Ergebnisse wurden gestrichen und der Klub ans Tabellenende gereiht.
Insolvenz für Ex-Bundesligist
Anfang der Woche wurde gegen zwei weitere Liga-Teilnehmer ein Insolvenzverfahren eröffnet: davon betroffen sind Ex-Bundesligist KFC Uerdingen (zuletzt 1996 im Oberhaus) sowie der 1. FC Düren.
Die DFB-Vorschriften besagen, dass einem Klub im Insolvenz-Fall neun Punkte abgezogen werden, wodurch Uerdingen auf den vorletzten Rang zurückfällt. Auf den Klassenerhalt fehlen nun sechs Zähler. Auch Düren droht mit 26 Punkten nochmals in Abstiegsnöte zu geraten. Bei sechs noch ausstehenden Spielen hat man fünf Zähler Vorsprung auf die Abstiegsplätze.
Das ist allerdings fast schon Nebensache, denn der Klub steht seit Wochenbeginn ohne Mannschaft da. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens (welches der Klub selbst beantragte) haben sämtliche Spieler der ersten Mannschaft gekündigt. Dies allerdings nicht aus Böswilligkeit, sondern zum Zwecke des Selbstschutzes.
Kündigung aus Gründen der Schadensbegrenzung
Der frühere Profi Adam Matuszczyk (u.a. 1. FC Köln, Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig) ist in Düren Kapitän und spielender Sportdirektor in Personalunion. Wie er erklärt, bestand "die Möglichkeit, dass alle Spieler des Regionalliga-Kaders ihre Verträge mit sofortiger Wirkung kündigen. Davon haben die Spieler (und auch Trainer Kristopher Fetz, Anm.) Gebrauch gemacht".
Dabei gehe es allerdings "für alle nur noch um finanzielle Schadensbegrenzung", so Matuszczyk zur "Aachener Zeitung". Denn die Spieler erhielten in diesem Kalenderjahr noch kein einziges Gehalt. Und nur bei fristgerechter Kündigung bestünde die Möglichkeit, die ausstehenden Gehälter rückwirkend noch aus dem Insolvenzgeld nachbezahlt zu bekommen.
Mannschaft geht, Klub profitiert trotzdem
Gegenüber dem "Kicker" lässt Matuszczyk durchklingen, dass der Abschied an ihm nagt: "Ich hätte gerne bis zur letzten Sekunde um jeden Punkt gekämpft. Es ist ein komisches Gefühl, ab morgen kein Angestellter des 1. FC Düren mehr zu sein."
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Damit haben Matuszczyk & Co. dem Klub aber auch einen Gefallen getan: Die Summe, um zumindest den April ausfinanzieren, ist dadurch erheblich gesunken. Bisher war von 100.000 Euro die Rede, nun dürfte der Betrag wesentlich geringer sein.
Dennoch muss für das anstehende Spiel in Wuppertal eine Mannschaft gestellt werden. Dieser "Not-Kader" könnte sich aus zweiter Mannschaft und U19 formieren. Weitere Punktezuwächse sind damit zwar unwahrscheinlich, die fünf Punkte Vorsprung könnten aber dennoch zum sportlichen Klassenerhalt reichen.
Uerdingens verzweifelter Kampf
Die Uerdinger stehen dagegen vor einer leider allzu bekannten Situation: Einmal mehr droht der finanzielle Ruin. Beim Ex-Bundesligisten hat man bereits mehrere Pleiten hinter sich, die letzte Insolvenz datiert aus 2021. Die aktuelle wurde vom Finanzamt Krefeld und der Krankenkasse (AOK Rheinland/Hambrug) eröffnet.
Trotz Millionen-Minus will der Klub den Spielbetrieb fortsetzen. Wie der KFC auf seiner Homepage schreibt, seien die Lizenzunterlagen für eine weitere Saison in der Regionalliga eingereicht und die notwendige Kaution hinterlegt worden.
"Wir glauben fest daran, dass wir auch bei einem Punktabzug mit dieser unglaublichen Mannschaft und deren unbeschreiblichen Moral den Klassenerhalt schaffen können", teilt der Klub per Aussendung mit.