Endstand
1:1
1:0, 0:1, 0:0, 2:4
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Historischer WAC: "Jetzt holen wir das Finale auch noch"

Die Lavanttaler haben schon jetzt Geschichte geschrieben. Am 1. Mai in soll es noch historischer werden. Helfen sollen dabei so viele Kärntner Fans wie möglich.

Historischer WAC: Foto: © GEPA

Am Mittwoch-Abend ist im UNIQA ÖFB-Cup gleich doppelt Historisches passiert.

Bevor der TSV Hartberg sensationell die Wiener Austria ausschaltete und damit erstmals das Endspiel erreichte (Spielbericht>>>), bejubelte der WAC seinen Premieren-Final-Einzug.

Erster Kärntner Cup-Sieg seit 2001?

"Wir haben heute Geschichte geschrieben", jubelt Thierno Ballo nach dem Sieg im Elfmeterschießen beim LASK (Spielbericht>>>). Die Lavanttaler sind gleichzeitig auch die erst zweite Kärntner Mannschaft nach dem FC Kärnten, die das Cup-Finale erreichte.

Der FC Kärnten schaffte es 2001 und 2003 zwei Mal ins Endspiel und gewann die im Wiener Ernst-Happel-Stadion ausgetragene 2001er Version sogar.

24 Jahre später findet das Finale mittlerweile jährlich auf Kärntner Boden statt. Der WAC wird am 1. Mai also so etwas wie Heimvorteil im Klagenfurter Wörthersee Stadion haben.

Nicht nur aufgrund dieses Umstands gehen die "Wölfe" als zumindest leichter Favorit in dieses Spiel. "Jetzt schauen wir mal in der Bundesliga weiter, aber dann holen wir das Cup-Finale auch noch", verspricht WAC-Goalie Nikolas Polster nach Abpfiff in Linz.

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

WAC mit Start, "der dir alle Kerzen raushaut"

Polster avancierte in der Raiffeisen Arena zu einem der Matchwinner der Begegnung, parierte er doch einen entscheidenden Elfmeter. Dabei begann der Arbeitstag des 22-jährigen Wieners alles andere als nach Wunsch.

Schon nach fünf Minuten musste er die Kugel erstmals aus seinem Netz fischen. Max Entrup traf zum 1:0 für den LASK nach einem schweren Fehler von Chibuike Nwaiwu.

"Wenn ein Spiel so anfängt, wie wir begonnen haben, haut es dir alle Kerzen raus. Das war ein Start, der wirklich weh getan hat", ist WAC-Coach Dietmar Kühbauer nach Ende des Spiels trotz des Ausgang desselbigen sauer über den Fehlstart seiner Mannschaft.

Umso erfreulicher war für den Burgenländer, dass der WAC ab diesem Moment die spielbestimmende Mannschaft war und "auch durch die Unterstützung des LASK", wie Kühbauer stichelnd festhält, deutlich mehr Spielanteile hatte.

Doch keine Wettbewerbsverzerrung

Wirklich gefährlich wurden die Lavanttaler gegen ein extrem tiefstehendes Heimteam dabei lange nicht, erst nach Seitenwechsel änderte sich das. Der Ausgleich durch ausgerechnet Unglücksraben Nwaiwu "war dann hochverdient", findet Kühbauer.

Besonders stolz mache ihn aber, dass in der anschließenden Verlängerung "nicht erkennbar war, wer zwei Tage länger Pause gehabt hat".

Zur Erinnerung: Im Vorfeld der Partie ortete man auf Lavanttaler Seite eine Benachteiligung seitens der Bundesliga, da der LASK sein Quali-Gruppen-Spiel in Altach bereits am Freitag absolvierte, der WAC aber erst am Sonntag gegen den SK Sturm spielen durfte. Von "Wettbewerbsverzerrung" war die Rede.

Tatsächlich bemerkte man diese zwei Tage Unterschied in der Regenerationszeit nicht, beide Mannschaften wirkten in der Verlängerung k.o.; die logische Konsequenz war das Elfmeterschießen.

Ballo: "Den entscheidenden Elfer schieße ich"

Ballo dreht zum Jubeln ab, der WAC steht erstmals im Finale
Foto: © GEPA

"Elfmeterschießen ist grundsätzlich Glückssache, aber das Glück des Tüchtigen hat gewonnen", fühlt sich Kühbauer belohnt.

Nur Glück ist ein Elfmeterschießen freilich nicht. Den Unterschied am Mittwoch machte auch ein starker Nikolas Polster im WAC-Tor, der die LASK-Schützen Philipp Ziereis und Samuel Adeniran mit Tänzchen auf der Torlinie so sehr verunsicherte, dass sie verschossen, und ein entschlossener Thierno Ballo, der staubtrocken den entscheidenden Versuch versenkte.

"Ich habe zu den Jungs von Anfang an gesagt: Den entscheidenden Elfer schieße ich. Ich habe gewusst, dass ich das Selbstvertrauen habe", so Ballo.

Für den in der oberösterreichischen Landeshauptstadt aufgewachsenen 23-Jährigen war es "ein spezieller Sieg. Ich bin ein Linzer Junge, alle waren da".

Elfern? "Heute wollte wirklich jeder schießen"

Doch selbst wenn sich Ballo nicht bereit gefühlt hätte, wären Kühbauer die Elfmeterschützen nicht ausgegangen. Im Vorfeld der Partie sei zwar eine Liste an Schützen erarbeitet worden, als es dann so weit war, meldeten sich aber plötzlich alle noch berechtigten WAC-Spieler zum Elfer-Dienst.

"Aber wenn da einer 'Nein' gesagt hätte, hätte er auch Brösel mit mir gehabt", gibt Kühbauer zu bedenken. Er scherzt weiter: "Die Liste war da, aber heute wollte wirklich jeder schießen. Und das ist dann hart, weil ich sehe, wie einige im Training schießen."

Der 53-Jährige war nach dem historischen Final-Einzug freilich gelöst, Ballo gab danach zu Protokoll, seinen Trainer selten so emotional gesehen zu haben. Das könne durchaus sein, gibt Kühbauer zu, läge aber nicht daran, dass dieser Aufstieg ausgerechnet gegen den LASK erfolgt sei, wo er im Sommer 2023 überraschend entlassen wurde.

"Ich habe beim LASK eine wunderbare Zeit erlebt, das werde ich mein Leben lang sagen. Ich war stolz - und das war vielleicht der Grund, warum ich ein bisserl aus der Bahn gefahren bin - weil meine Mannschaft zwei Tage weniger zur Regeneration gehabt hat", wiederholt Kühbauer seine Kritik an der Terminansetzung.

Zwei Bier sind erlaubt, "beim dritten gehe ich durch"

"Musik-technisch hängen wir komplett, die heutige Generation ist wirklich ein Jammer. Aber heute können sie Skihütten-Zauber spielen, irgendeinen L'Amour-Hatscher, es ist mir sowas von wurscht."

Kühbauer über den Musik-Geschmack seiner Kicker

Wirklich Zeit zur Erholung bleibt den Wolfsbergern auch jetzt nicht. Bereits am Sonntag wartet das Auswärtsspiel bei der Wiener Austria und die damit wohl letzte Chance, sogar den Traum vom Double noch aufrechtzuerhalten.

Seinen Spielern vergönnt er heute ein oder vielleicht sogar ein zweites Bier, "aber beim dritten gehe ich dann durch. Es darf nicht zum Exzess werden, so wie ich es gestern mitgekriegt habe", spielt Kühbauer auf die wilde Partynacht von Sensations-DFB-Pokalfinalist Arminia Bielefeld an, die für einige Spieler in einem Nachtklub endete.

Zur Disco wird dafür der WAC-Teambus auf der Heimfahrt nach Kärnten umfunktioniert. Schon während Kühbauers Pressekonferenz-Auftritt gehen einige seiner Sager in der lauten Musik aus der an den PK-Raum angrenzenden Auswärtskabine unter. 

"Musik-technisch hängen wir komplett, die heutige Generation ist wirklich ein Jammer. Aber heute können sie Skihütten-Zauber spielen, irgendeinen L'Amour-Hatscher, es ist mir sowas von wurscht. Ich höre heute alles", so Kühbauer dazu.

Heim- oder Geisterspiel für den WAC in Klagenfurt?

Nun kann man sich nur ausmalen, was los wäre, wenn der WAC auch noch das Finale gewinnt. Seine Mannschaft sei gegen Hartberg nun womöglich Favorit, aber "die Mannschaft, die ins Finale kommt, hat es gut gemacht", betont Kühbauer. "Das Finale hat andere Gesetze, da musst du neue Kräfte freisetzen."

Dabei helfen sollen so viele Wolfsberger Fans - oder zumindest mit den Lavanttalern sympathisierende Kärntner - wie möglich. "Ich hoffe, dass viele Kärntner ins Stadion kommen, damit wir dort gemeinsam stehen. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass eine Mannschaft aus Kärnten im Finale steht", wirbt Kühbauer schon jetzt für Endspiel, das heuer - anders als in den letzten beiden Jahren - wohl kaum auszuverkaufen sein wird.

Auch wenn das heurige ÖFB-Cup-Endspiel wohl kein Publikumsmagnet werden wird, bleibt festzuhalten, dass die beiden Mannschaften, die darin stehen, dies zurecht tun.

Das gilt nicht zuletzt für den WAC, der eine bis dato sehr gute Saison am 1. Mai zu einer geschichtsträchtigen machen könnte.

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