Zu Null gespielt, gewonnen und erster Tabellenführer in der Nations-League-Gruppe A1: Für Alexander Schriebl hätte der Einstand als ÖFB-Frauen-Teamchef nicht besser laufen können.
Auch wenn beim 1:0-Erfolg in Ried am Freitag das nötige Glück ein paar Mal aufseiten der Gastgeberinnen war, überzeugten diese mit einem offensiveren Auftritt als in der Vergangenheit (Spielbericht >>>). Nach der Revanche an den Schottinnen für das WM-Playoff-Out 2022 soll auch in Deutschland Zählbares her.
Seit Montag hatte Schriebl sein Team in Geinberg erstmals versammelt. Die positiven Eindrücke aus dem Training bestätigten sich in der Innviertel Arena.
"Dass es so gut läuft, war schon eher ein bisschen eine Wunschvorstellung", sagte der ÖFB-Teamchef. Dieser hat als Nachfolger von Irene Fuhrmann die richtigen Hebel in Bewegung gesetzt. "Der Teamchef hat uns ein gutes Gefühl und Selbstvertrauen gegeben, das haben wir auch gebraucht", berichtete Marie-Therese Höbinger.
Tor als "Erlösung"
Der frühe Treffer von Lilli Purtscheller (14.) ebnete den Weg für den Sieg. Für die Essen-Legionärin war das Tor "auf jeden Fall eine Erlösung", nachdem die Effizienz in den verlorenen EM-Quali-Duellen mit Polen nicht gepasst hatte.
"Ich habe daran gearbeitet, dass ich mir mehr Chancen erarbeite, zielstrebiger bin und mehr Zug zum Tor habe", erläuterte die Tirolerin. Dass ihr drittes Länderspieltor der Siegtreffer war, mache die Sache umso schöner.
Dabei half das nötige Spielglück wie bei mehreren schottischen Großchancen in der ersten halben Stunde. Nach dem Seitenwechsel spielten Kapitän Sarah Puntigam und Co. den Erfolg souverän nach Hause, lag eher ein 2:0 in der Luft.
Zwei Spitzen als Erfolgsrezept
"Man hat auf jeden Fall gesehen, dass wir immer giftig sein und Druck machen wollen, da sind alle vorangegangen", resümierte Schriebl. Herausheben wollte er niemand. "Das wäre unfair, sie haben von vorne bis hinten viel Einsatz und Willen gezeigt."
Die Überzeugung in der letzten Linie sei richtig cool gewesen. "Es gibt aber noch ein paar Sachen, wo wir besser verschieben und die Räume noch enger machen können", gab der Salzburger Einblick.
Sein Erfolgsrezept war ein 4-1-3-2-System, also eine Mittelfeldraute mit zwei Stürmerinnen. Eine signifikante Änderung gegenüber dem unter Fuhrmann meist praktizierten 4-2-3-1. "Man hat gesehen, dass uns die zwei Stürmerinnen gut tun können", sagte Schriebl.
System nicht in Stein gemeißelt
Festnageln auf ein System will er sich nicht. "Die Idee, wie wir spielen wollen, wird immer die Gleiche sein, aber wie wir uns taktisch verhalten oder wie die Grundformation sein wird, das werden wir variabel gestalten", gab der 46-Jährige Einblick.
Mit der Hereinnahme des St.-Pölten-Duos Claudia Wenger und Chiara d'Angelo in die Viererkette unterstrich er, dass Akteurinnen aus der heimischen Liga mehr als zuvor gefragt sind.
Rechtsverteidigerin D'Angelo spielte bei ihrem Debüt durch. "Ich war überrascht, froh und dankbar für das Vertrauen. Es ist sehr cool, dass wir das Spiel auch mit einem Sieg beenden konnten", sagte die 20-Jährige.
Schriebl hatte nach ihren "sehr guten" Leistungen in der Liga und Champions League keine Zweifel. Mit ihrer Giftigkeit und ihrem Tempo habe sie eine "Klasse-Leistung" geboten. In der Schlussviertelstunde durfte sich auch Carina Brunold erstmals beweisen.
Nach Schlusspfiff konnten sie mit Routiniers wie der vor der Abwehr aufgebotenen Sarah Zadrazil jubeln. Nach den Erlebnissen beim 0:1 nach Verlängerung 2022 in Glasgow fühlte sich der Sieg besonders an.
"Revanche war mit Sicherheit im Hinterkopf, das tut sehr gut", betonte Puntigam. Der erste Sieg nach vier Niederlagen im direkten Duell genauso. Und auch die Tatsache, nach dem Rückschlag gegen Polen der Favoritenrolle gemäß der Weltrangliste diesmal wieder gerecht geworden zu sein.
"Noch nicht viel geschafft"
"Wenn man die Liga halten will, muss man diese Spiele gewinnen", sagte Verena Hanshaw. Schon am Dienstag geht es in Nürnberg gegen Deutschland weiter. Die Vorzeichen sind ungewöhnlich, gastiert Österreich doch als Tabellenführer bei der DFB-Auswahl, die in den Niederlanden beim 2:2 nicht voll punkten konnte.
"In Wahrheit ist noch nicht viel geschafft, es sind nur drei Punkte, aber die geben uns einen guten Ausblick auf das, was vielleicht noch kommen wird", schilderte Schriebl seine Sicht.
Mit Deutschland warte auf jeden Fall eine andere Hausnummer. "Zu verlieren haben wir nichts, weil weniger als null Punkte können wir nirgends mitnehmen", sagte der Ex-Bergheim-Coach. Seine Kickerinnen haben Lunte gerochen. "Deutschland ist ein Weltklasseteam, aber wir spielen jedes Spiel, um es zu gewinnen", betonte Puntigam.