Kurz bevor der Machtkampf im ÖFB auf seinen Höhepunkt zusteuert, hat Ex-Präsident Leo Windtner an das Zusammengehörigkeitsgefühl im Verband appelliert.
"Wir haben entscheidende Wochen und Monate für den österreichischen Fußball vor uns. Wir haben eine Riesenchance, zur WM zu fahren. Das würde einen gewaltigen Hype auslösen. Deshalb müssen die Kräfte gebündelt und ein gemeinsamer Fokus geschaffen werden", sagte der Oberösterreicher der APA.
Die Chance auf die erstmalige WM-Teilnahme seit 28 Jahren dürfe nicht durch interne Querelen aufs Spiel gesetzt werden.
Rangnick ein "Motivationsguru"
"Wir haben derzeit im österreichischen Fußball eine Handvoll Assets, nämlich eine Top-Generation an Spielern, die maximal motiviert ist und mit Teamchef Ralf Rangnick eine Einheit bildet. Wir haben einen Teamchef, den man als Motivationsguru bezeichnen kann. Wir haben eine Fangemeinde wie selten zuvor und wir haben Sponsoren, die langjährig und loyal hinter dem Team stehen", betonte Windtner.
Der 75-Jährige ortet eine "ungemein positive Stimmung" rund um die ÖFB-Auswahl.
"Gerade deshalb ist es dringend notwendig, dass Fronten abgebaut und Gräben geschlossen werden, damit sich der ÖFB als Einheit präsentiert. Es wird die Aufgabe der neuen Person an der Spitze sein, alle hinter diesem gemeinsamen Ziel zu versammeln."
Externer ÖFB-Präsident "würde wahrscheinlich guttun"
Am ehesten zu erreichen wäre dies laut Windtner mit einer Persönlichkeit, die aktuell nicht im Präsidium sitzt.
"Meines Erachtens wäre eine externe Person aus der Wirtschaft, die den Fußball im Herzen trägt, optimal. Eine personelle Innovation an der Spitze würde wahrscheinlich guttun und für frische Luft sorgen. Letztlich schlagen sich Turbulenzen in der Administration und im Präsidium auch sportlich nieder, deswegen braucht man in allen Bereichen des ÖFB eine positive Dynamik."
Von den Landespräsidenten wünscht sich Windtner, das gemeinsame Ganze in den Vordergrund zu stellen.
"Natürlich müssen sie die Interessen ihrer Verbände vertreten, aber eines muss allen bewusst sein: Die Performance des Nationalteams schlägt sich auch direkt bei den Landesverbänden nieder. Tatsache ist, das Nationalteam ist das Flaggschiff des österreichischen Fußballs, dessen Erfolg bestimmt den Stellenwert, die Stimmung und die gesamte Position des Fußballs in Österreich."
"Diese Aussagen waren absolut unangebracht"
Windtner fungierte von Februar 2009 bis Oktober 2021 als ÖFB-Präsident. Danach waren Gerhard Milletich, Johann Gartner und Klaus Mitterdorfer nur kurz am Ruder, die Amtszeit von Interimschef Wolfgang Bartosch geht am 18. Mai zu Ende.
Wer ihm nachfolgt, könnte eventuell am kommenden Mittwoch im Rahmen einer Wahlausschusssitzung entschieden werden.
Gartner und Bartosch hatten zuletzt mit öffentlicher Kritik an Rangnick für Aufsehen gesorgt. "Diese Aussagen waren absolut unangebracht und kontraproduktiv. Diejenigen Personen sollten sich das auch für die Zukunft überlegen", meinte Windtner.
Spielweise unter Rangnick "herausragend"
Der Oberösterreicher verteidigte Rangnick gegen Gartners Anmerkung, wonach die Ergebnisse zu wünschen übrig ließen.
"Dass Resultate kein Wunschkonzert sind, wissen wir alle. Aber was die Entwicklung der Spielweise betrifft, ist es herausragend, was seit dem Amtsantritt von Rangnick passiert ist. Dem tragen auch die Fans Rechnung", erklärte Windtner mit Hinweis auf das bereits ausverkaufte erste WM-Quali-Spiel am 7. Juni im Happel-Stadion in Wien gegen Rumänien.
Zu Bartoschs Aussage, wonach Rangnick "sehr schwierig sei", meinte Windtner: "Jede Persönlichkeit an der Spitze weist ein besonderes Strickmuster auf. Darauf muss man sich einstellen und damit muss man umgehen können. Rangnick steht jedenfalls für mehr Professionalität und weniger Provinzialität, das sollte auch der Weg in die Zukunft sein."