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Vikings seit 2017 ohne Austrian-Bowl-Sieg: "Passt nicht!"

Benjamin Sobotka, Head Coach der Vienna Vikings, will mit seinem Team die Austrian-Bowl-Durststrecke beenden. Warum der AFL-Titel immer noch viel wert ist.

Vikings seit 2017 ohne Austrian-Bowl-Sieg: Foto: © GEPA

Am Sonntag geht in Wiener Neustadt die Austrian Bowl über die Bühne!

Der Football-Festtag in der ERGO Arena geht bereits um 11 Uhr mit dem Vorprogramm los, das eine Flag-Football-Exhibition sowie die Ladies Bowl beinhaltet. Das große Highlight ist aber die Austria Bowl zwischen den Vienna Vikings und den Prague Black Panthers (17 Uhr).

Die Vikings sind nach ihrem Playoff-Sieg über die Danube Dragons bereits fix österreichischer Staatsmeister, das reicht den Wienern jedoch noch lange nicht. Diese wollen am Sonntag nämlich ihre sieben Jahre anhaltende Durststrecke beenden und erstmals seit 2017 wieder die Austrian Bowl gewinnen.  

Vor dem großen Spiel am 28. Juli stand Benjamin Sobotka, Head Coach und Defensive Playcaller des AFL-Teams der Vienna Vikings, der vor kurzem als AFL-Coach-of-the-Year ausgezeichnet wurde, LAOLA1 im Interview Rede und Antwort.


LAOLA1: Wie sehr brennt es bereits unter den Fingernägeln, wenn du an die Austrian Bowl denkst?

Benjamin Sobotka: Natürlich sehr! Vor allem nach dem Halbfinal-Gewinn gegen die Dragons. In den letzten zwei Jahren ist es uns nicht gelungen, die Dragons in der Postseason zu schlagen, da war das schon ein wichtiger Schritt. Aber jetzt wollen wir wirklich auch den letzten Schritt machen und die Austrian Bowl gewinnen. Wenn man sich das Training anschaut, auch schon in der letzten Woche, dann sieht man, die Burschen sind ziemlich heiß drauf.

LAOLA1: Staatsmeister ist man nach dem Sieg über die Dragons schon. Ändert das etwas an der Herangehensweise?

Sobotka: Absolut nicht. Es ist zwar schön, dass man Staatsmeister ist, aber wenn man nicht die Austrian Bowl am Ende des Jahres in der Hand hat, dann heißt das nur, du warst das beste österreichische Team, aber es hat trotzdem irgendwer anderer die Liga gewonnen.

LAOLA1: Worauf wird es gegen die Prague Black Panthers ankommen?

Head Coach Benjamin Sobotka an der Seitenlinie
Foto: © GEPA

Sobotka: Prag hat einen neuen Quarterback und der ist sehr athletisch. Er ist nicht unbedingt der beste Passer, aber er hat sehr viele Plays im Playoff, gerade gegen die Giants, gemacht, und darauf müssen wir aufpassen. Außerdem haben sie mit Jakub Brezina einen wirklich guten Runningback, und in der Defense sind sie ziemlich unangenehm, weil ihr System auf der einen Seite zwar leicht ist, auf der anderen Seite machen sie aber wenige Fehler. Da müssen wir die Schwäche finden und dann attackieren. Das macht das Ganze eben schwer gegen Prag.

LAOLA1: 2020 (Anm. Corona-bedingt nur zwei Teams am Start) ausgeklammert, warten die Vikings seit 2017 auf den Gewinn der Austria Bowl. Viel zu lang aus Vikings-Sicht, oder?

Sobotka: Viel, viel, viel zu lang. Wir sind seit 2017 jedes Mal in der Austrian Bowl gewesen, haben dann entweder gegen die Raiders oder die letzten Jahre gegen die Dragons verloren – und das soll sich dieses Jahr ändern.

LAOLA1: Du bist seit über 18 Jahren im Verein, allerdings erst seit dieser Saison Head Coach des AFL-Teams. Du hast große Erfolge mitfeiern dürfen, aber als Head Coach die Austria-Bowl-Durststrecke zu beenden, wäre vermutlich ein wahres Karrierehighlight? 

Vikings-Quarterback und AFL-MVP Nico Hrouda
Foto: © GEPA

Sobotka: Ja! Vor allem mit den Leuten, mit denen man das macht. Wenn ich mir unser Team anschaue, coache ich viele von den Leuten, seitdem sie im Nachwuchs bei uns spielen. Nico Hrouda habe ich schon gecoacht, als er bei der U12 war, mittlerweile ist er schon ein Erwachsener! Genauso sind Leute wie Fabian Eder drinnen, die ich schon jahrelang coache, oder Elias Allmer. Es ist wirklich schön zu sehen, dass, seitdem ich angefangen habe zu coachen, immer noch so viele Leute dabei sind. Dass wir jetzt diese Durststrecke beenden können mit diesen Leuten, würde mich wirklich sehr freuen.

LAOLA1: Du bist nicht nur Head Coach des AFL-Teams der Vikings, sondern auch Defensive-Line-Coach beim ELF-Team. Und in dieser Funktion bist du nicht einmal 24 Stunden vor der Austrian Bowl am Samstag gegen die Prague Lions an der Seitenlinie im Einsatz.

Sobotka: In der ELF bin ich halt nur Position-Coach, unter Anführungsstrichen. Da ist mein Aufgabenbereich nicht so groß wie in der AFL, wo ich auch Head Coach bin und die Defense calle. Darum ist das auch kein Problem.

LAOLA1: Das heißt, es bleibt trotzdem genügend Freizeit übrig, auch wenn man sich auf zwei Spiele an einem Wochenende vorbereiten muss?

Sobotka gibt Anweisungen
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Sobotka: Ja, wir haben diese Woche nur zwei Trainings in der ELF, haben hier quasi eine Mini-Bye-Week eingeschoben. Dadurch war von Montag bis Mittwoch frei. Dazu steht der Gameplan gegen die Panthers schon seit längerer Zeit. Wir haben ja geglaubt, dass wir gegen die Panthers im Playoff spielen, seitdem steht eigentlich der Großteil des Gameplans. Eigentlich haben wir nur noch Adjustments machen müssen, die wir im Playoff gegen die Giants gesehen haben.

LAOLA1: Der Football in Österreich und generell in Europa hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Ist mit dem Aufkommen der ELF ein AFL-Titel immer noch gleich viel wert wie früher?

Sobotka: Ich vergleiche das ein bisschen mit College-Football und der NFL. Man hat die nationalen Ligen, die quasi so einen College-Football-Vibe haben, und dann hat man mit der ELF das professionelle Produkt – wie die NFL in dem Fall. Für mich ist ein AFL-Titel sehr, sehr viel wert, auch dadurch, dass wir ihn seit 2017 nicht mehr gewonnen haben – bei so einem Klub wie den Vikings passt das einfach nicht!

LAOLA1: Du kennst bei den Vikings sowohl die ELF- als auch AFL-Seite. Findest du, dass sich am Fan-Interesse etwas geändert hat, seit die Vikings in den beiden Ligen vertreten sind?

Fans der Vienna Vikings
Foto: © GEPA

Sobotka: Wenn sich etwas verändert hat, würde ich sagen, dass das Fan-Interesse gewachsen ist. Die ELF zieht einfach auch ein anderes Publikum an, und von dem Publikum wandern auch immer mehr Leute zu den AFL-Spielen über. Aber Vikings-Fans werden immer Vikings-Fans sein. Dass da wirklich Leute sagen, sie schauen nicht mehr die AFL, weil es die ELF gibt, sowas gibt es überhaupt nicht! Eher ist es so, dass Leute, die neu dazukommen und ein ELF-Spiel sehen, irgendwann dann bei den AFL-Spielen landen.

LAOLA1: Dazu ist die Austrian Bowl ja auch noch quasi ein Heimspiel. Das ELF-Team bestritt seine Heimspiele zuletzt bereits in der ERGO Arena. Da wird es an Fan-Unterstützung bestimmt nicht mangeln.

Sobotka: Unser Fan-Klub hat einen eigenen Fan-Sektor organisiert, so wie es jedes Jahr eben ist. Und dieser ist ausverkauft! Das heißt, wir können uns sicherlich darauf freuen, dass wir eine ordentliche Unterstützung haben werden im Stadion. Und so wie es immer ist bei der Austrian Bowl: Die Austrian Bowl zieht Leute an. Auch die letzten zwei Jahre in St. Pölten waren nicht schlecht besucht. Wiener Neustadt ist ein bisschen näher als St. Pölten, also hoffen wir auf nochmal ein bisschen mehr Fans im Stadion.

LAOLA1: Und bestimmt will man den Fans eine Show bieten?

Sobotka: Wir werden alles dafür geben, dass der Titel wieder in Simmering in der Kölgengasse steht.

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