Die österreichische Marathon-Szene stößt dieser Tage in neue Dimensionen vor.
Aaron Gruen hat am vergangenen Sonntag in den USA den ÖLV-Rekord über die 42,195 km unter 2:10 Std. auf 2:09:53 gedrückt, diesen Sonntag in Wien geht es in den nach Anmeldungen bisher größten Vienna City Marathon (VCM).
Rund 13.000 Lauffreudige sind für die 41. Durchführung des Klassikers gemeldet, über alle VCM-Bewerbe des Wochenendes sind es bisher noch nie erreichte mehr als 45.000 Anmeldungen.
Wie viele dann auch an den diversen Startlinien stehen bzw. die Läufe beenden, bleibt vor allem aufgrund der prognostizierten Wetterbedingungen abzuwarten. Beim Marathon-Start am Sonntag um 9 Uhr soll es Temperaturen um den Gefrierpunkt geben und dann erst allmählich in die Plusgrade gehen.
Andreas Vojta ist ein Kandidat für den besten Österreicher dieses Rennens, der Niederösterreicher lässt sich bei seinem fünften Marathon auch von möglichem Wind nicht beunruhigen, will dann reagieren: "Ich kann nur mein Training kontrollieren, nicht den Rest."
Vojta und Ketema mit nicht optimaler Vorbereitung
Die Vorbereitung des 35-Jährigen lief jedenfalls nicht optimal, denn nach dem am 1. Dezember in 2:18:27 Std. absolvierten Valencia-Marathon musste er bis Ende Jänner pausieren. Gesundheitschecks ergaben, dass Vojta an einer Herzhaut-Entzündung laboriert hatte.
"Zwei Monate Vorbereitung ist eine Spur zu kurz, aber ich bin da auch mit einer guten Basis reingegangen." In einer Gruppe u.a. mit seinem Landsmann Lemawork Ketema ist geplant, die Marke beim Halbmarathon bei 66 Minuten zu passieren. Angestrebt ist eine 2:12er-Zeit, idealerweise mit schnellerer zweiter Hälfte.
Damit würde Vojta seine in Frankfurt im Oktober 2023 mit 2:13:42 Std. markierte persönliche Bestzeit klar unterbieten, Ketema die seine von 2:10:44 vom April 2019 verfehlen. Die Verbesserung dieser Marke ist für den Olympia-Teilnehmer 2021 diesmal aber auch gar nicht der Anspruch.
Am 11. März 2024 hatte er sich einer Oberschenkelband-Operation unterziehen müssen. "Es war danach nicht so einfach - körperlich und mental -, mich wieder aufzubauen", erklärte der 38-Jährige am Freitag bei einer VCM-Pressekonferenz. "Drei Monate lang sei er auf Krücken unterwegs gewesen."
Mittlerweile habe er aber ein gutes, zwei Monate langes Trainingslager hinter sich und sei bereit: "Ich habe riesigen Hunger, wieder einen Marathon zu laufen." Die Gruppe mit Ketema und Vojta könnte von der Unterstützung der heimischen Halbmarathonis wie Timon Theuer oder Ex-Triathlet Thomas Messner profitieren.
Letzterer ist ein in Kärnten lebender Steirer, Bruder des Radprofis Martin Messner und seit vergangenem Wochenende österreichischer Halbmarathon-Meister. Larissa Matz als Frauen-Siegerin der in Wels ausgetragenen Titelkämpfe tritt über 5 km an.
Mit Gruen-Rekord "Bann gebrochen"
Dieser für Samstag angesetzte VCM-Rahmenbewerb sieht eine hoffnungsvolle junge ÖLV-Garde am Start, u.a. auch Lena Millonig. Die 27-Jährige sieht die Ringstraßen-Runde als Training für ihre Bahn-Ambitionen. "Für mich ist diese Überdistanz gut für die 3.000 m Hindernis."
Der prominenteste rot-weiß-rote Frauen-Name im Marathon ist Eva Wutti. Die 36-Jährige hatte einst den ÖLV-Rekord gehalten, voll berufstätig und als Alleinerzieherin ist die Erwartung nun aber eingeschränkt. "Sie will aber wieder den Wettkampfrhythmus spüren", erläuterte ihr Trainer Johannes Langer.
Dieser fungiert auch wieder als VCM-Rennleiter und erwartet "eine gute Dynamik" in der mit fünf bis sieben Athleten zu erwartenden Österreicher-Gruppe um Vojta und Ketema. Die Gruen-Zeit wird zwar außer Reichweite bleiben, Vojta sieht mit dessen Leistung aber einen Bann gebrochen.
"Wenn diese Hemmschwelle von 2:10 weg ist, vielleicht geht es dann für alle einfacher", sprach der Gerasdorfer auch für den diesmal nicht antretenden Ex-Rekordler Peter Herzog (2:10:06). "Die Region 2:10 und schneller ist realistischerweise auf europäischem Niveau mittlerweile auch nötig."
Zum Einstieg in das VCM-Wochenende stimmte sich die heimische wie internationale Elite am Donnerstagabend um das Schloss Schönbrunn zu den Klängen der eigens komponierten VCM-Fanfare auf den Event ein. Darunter waren auch die kenianischen Top-Favoriten Vibian Chepkirui und Justus Kangogo.
Die Verbindung der Musik ist überhaupt ein wichtiger Teil auch dieser VCM-Auflage. In diesem Zusammenhang wird am Sonntag um 8.35 Uhr ein Weltrekord im Walzer-Tanzen in Angriff genommen. Zur Donauwalzer-Musik sollen sich vor dem Start rund 2.000 Paare drehen.