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Vorstandswahl könnte für ÖTTV finanzielle Konsequenzen haben

Am Wochenende wird der Vorstand des österreichischen Tischtennisverbands neu gewählt. Je nach Ausgang könnten Fördergelder wegfallen.

Vorstandswahl könnte für ÖTTV finanzielle Konsequenzen haben Foto: © GEPA

Am Sonntag wird im heimischen Tischtennisverband ÖTTV ein neuer Vorstand gewählt.

Sollten der aktuelle Präsident Wolfgang Gotschke und Sport-Vizepräsident Daniel Fegerl - gegen die es massive Vorwürfe gibt - dabei bestätigt werden, drohen gravierende finanzielle Konsequenzen. Der Verband würde in diesem Falle die staatliche Förderung laut Bundes-Sport GmbH für heuer - einen siebenstelligen Betrag - aller Voraussicht nach verlieren.

Von Seiten des ÖTTV wird dies hinterfragt.

"Wenn die derzeitige ÖTTV-Führung im Amt bleibt, sind wir aufgrund des Sportförderungsgesetzes gezwungen zu handeln", sagte Michael Sulzbacher, kaufmännischer Geschäftsführer der Bundes-Sport GmbH, auf APA-Anfrage mit Blick auf das Antreten Gotschkes und Fegerls bei der Wahl.

Hintergrund sind die im vergangenen Jahr aufgetauchten Vorwürfe gegen das Duo, diesem wird psychische Gewalt und Vernachlässigung im Umgang mit Athleten vorgeworfen.

Der Zwischenreport einer Untersuchungskommission, die vom Verband infolge der Anschuldigungen eingesetzt worden war, ergab nach übereinstimmenden Berichten, dass das Verhältnis zwischen Spielern und Verbandsspitze nachhaltig zerrüttet sei. Gotschke und Fegerl haben die Vorwürfe stets bestritten und sich zur Wiederwahl aufgestellt.

Förderung in Millionenhöhe wackelt

(Artikel wird unterhalb fortgeführt)

Sulzbacher bestätigte am Donnerstag inhaltlich ein Schreiben des Rechtsanwalts Stefan Korn, der mehrere Spieler in der Causa juristisch vertritt. Das Schreiben ist an den Vorsitzenden der ÖTTV-Untersuchungskommission, Kärntens Tischtennis-Verbandspräsident Hubert Dobrounig, adressiert.

Darin wird der drohende Wegfall von staatlichen Förderungen thematisiert. Sulzbacher, selber Jurist, erklärte, dass die Bundes-Sport GmbH der Rechtsmeinung ist, dass im Falle der Wiederwahl der derzeitigen ÖTTV-Führung trotz bestehendem Fördervertrag keine Förderungen mehr ausgezahlt würden.

Wie Sulzbacher der APA mitteilte, ergebe sich dieser Schritt aus dem Bundes-Sportförderungsgesetz (BSFG) 2017. Im Paragraf 18 ist unter anderem festgehalten: "An der ordnungsgemäßen Geschäftsführung sowie an den erforderlichen fachlichen Fähigkeiten des Förderwerbers dürfen keine Zweifel bestehen.

Ist der Förderwerber eine juristische Person, müssen diese Erfordernisse deren Organwalter erfüllen." Laut dem kaufmännischen Bundes-Sport-Geschäftsführer wurden aber auf Basis des Berichts der Untersuchungskommission "ernst zu nehmende Zweifel an einer ordnungsgemäßen Geschäftsführung im ÖTTV festgestellt".

"Wollen Förderung eigentlich nicht zurückholen"

Aufgrund dessen würden die im Fördervertrag vorgesehenen Bestimmungen für eine Rückforderung sowie Nichtauszahlung der staatlichen Fördergelder im Falle einer Wiederwahl schlagend. Dabei geht es um 1,8 Millionen Euro für 2025. Da die Rate für das erste Quartal bereits überwiesen ist, müsste diese zurückbezahlt werden.

Sulzbacher wies auch darauf hin, dass die Vorwürfe nicht juristisch nachgewiesen werden müssten, um eine Förderung zu verlieren. Nach dem BSFG reiche die Feststellung der Zweifel. Er betonte auch: "Die Bundes-Sport GmbH ist für die Athleten da. Daher wollen wir die Förderung eigentlich nicht zurückholen." Man habe aber womöglich keine andere Wahl.

Gotschke und Fegerl äußerten sich auf Anfrage nicht direkt in der Förder-Causa, stattdessen gab ÖTTV-Rechtsanwalt Gernot Schaar eine Stellungnahme ab, in der von Einflussnahme in die Autonomie eines Sportverbandes durch die Bundes-Sport GmbH und einer Gesetzesverletzung die Rede ist.

Das sei "demokratiepolitisch höchst bedenklich und nicht zu akzeptieren". Weiters wird darauf hingewiesen, dass "trotz der angeblichen schweren Verfehlungen bislang keine Strafanzeigen gegen die betroffenen Mitglieder des Vorstandes des ÖTTV eingebracht wurden".

Ex-Sportminister und Urgestein als Gegenkandidaten

Auch die Rechtsansicht der Bundes-Sport GmbH im vorliegenden Fall wird nicht geteilt. Schaar kündigte an, man werde sich zur Wehr setzen, sollten die Förderzahlungen eingestellt werden.

Zugleich wurde mitgeteilt, dass der ÖTTV eine Kommission "unter der Führung eines Richters" eingesetzt hat, die zu den Vorwürfen gegen Gotschke und Fegerl "zusätzliche Befragungen und Stellungnahmen einholen wird, um ein Gleichgewicht der Behauptungen und Argumente in der Wahrheitsfindung berücksichtigen zu können".

Als Gegenkandidaten zu Gotschke und Fegerl haben sich Ex-Sportminister Norbert Darabos (SPÖ) als möglicher Präsident sowie ÖTTV-Jahrhundertspielerin Liu Jia als Vizepräsidentin Sport aufstellen lassen. Ob die beiden eine Mehrheit bei der Wahl durch Generalversammlung, bestehend aus den Landesverbänden und den Ehrenpräsidenten, haben, war zuletzt ungewiss.

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