Die Kopfsteinpflasteranstiege der Flandern-Rundfahrt bilden am Sonntag die Bühne des nächsten Aufeinandertreffens der Radsport-Giganten Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel.
Dem restlichen Teilnehmerfeld wird beim erwarteten Schlagabtausch der beiden Klassiker-Dominatoren höchstwahrscheinlich einmal mehr nur die Zuschauerrolle bleiben.
Van der Poel hat die "Ronde" im Vorjahr in Abwesenheit von Pogacar zum bereits dritten Mal gewonnen. Der Ex-Weltmeister ist auf ruppigem Terrain eine Macht, der Niederländer triumphierte 2023 und 2024 auch bei Paris-Roubaix.
Aber Pogacar war in Flandern vor zwei Jahren ebenfalls schon einmal erfolgreich. Der explosive Slowene wird in den gepflasterten "Hellingen" wie dem Kwaremont, dem Paterberg oder dem Koppenberg alles daran setzen, Van der Poel abzuschütteln.
Pogacar ohne Revanchegelüste, aber siegeshungrig
Vor zwei Wochen gelang das Pogacar bei Mailand-San Remo in den dafür zu wenig steilen Anstiegen nicht, er hatte letztlich im Sprint das Nachsehen. Die von Brügge über 269 km nach Oudenaarde führende Flandern-Rundfahrt weist aber eine völlig andere Streckencharakteristik auf, die dem Slowenen viel eher entgegenkommt.
"In San Remo hat er mich ziemlich gut geschlagen, aber das hier ist ein anderes Rennen", sagte Pogacar vor dem belgischen Radsport-Feiertag mit wieder Hunderttausenden Fans an der Strecke. Revanchegelüste wegen der "Niederlage" in Italien habe er nicht.
"Ich weiß nicht, warum ich verbittert oder auf Rache aus sein soll, wenn mir niemand etwas Böses getan hat. Von Rache kann also keine Rede sein." Siegeshungrig ist Pogacar trotzdem. "Es ist sein Lieblingsterrain - Kopfsteinpflaster und kurze Anstiege -, also wird er wieder schwer zu schlagen sein, aber ich bin hier, um auf Sieg zu fahren."
Titelverteidiger Van der Poel in Hochform
Wie der Strade-Bianche-Sieger in der hochkarätig besetzten UAE-Mannschaft weiß auch Van der Poel im Alpecin-Team starke Helfer um sich. Der Flandern-Titelverteidiger aus den Niederlanden hat sich mit einem Solo-Sieg beim E3-Preis für das zweite Monument der Saison eindrucksvoll aufgewärmt.
"Die Frühjahrsklassiker waren schon jetzt ein großer Erfolg. San Remo hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, aber ich denke, jeder weiß, dass Flandern und Roubaix für mich die vielleicht wichtigsten Rennen sind", sagte Van der Poel.
Roubaix folgt traditionell eine Woche nach dem flämischen Spektakel, in Frankreich wird es Van der Poel erstmals mit Pogacar zu tun bekommen. Der leichtgewichtige Slowene ließ unter der Woche mit famosen Trainingszeiten auf einigen Pflasterstein-Abschnitten aufhorchen.
Die rot-weiß-roten Fahnen am Sonntag in Flandern hält Marco Haller hoch. Der Olympia-Sechste aus Kärnten hat sich zuletzt bei Gent-Wevelgem in starker Verfassung präsentiert. Bei der Ronde wird er aber wohl für seinen Tudor-Kollegen Matteo Trentin arbeiten müssen.