In der DEL läuft im Gegensatz zur win2day ICE Hockey League noch die Regular Season.
LAOLA1-Experte Bernd Freimüller war im Februar in Deutschland unterwegs und berichtet über eine Liga mit vielen Berührungspunkten, aber auch Unterschieden zur ICE.
Der SAP Garden
Die neue Heimat von Red Bull München (und der Basketballer von Bayern München) war natürlich eine große Story. Es handelt sich dabei wie bei solchen und ähnlichen Spielstätten um kleinere NHL-Arenen, in diesem Fall knapp 10.000 Plätze.
Gute Sicht, viele Verpflegungsstände, genug Platz in den Gängen (im Gegensatz etwa zur klaustrophobischen WM-Arena in Tampere), dazu eine verkehrsmäßig günstige Lage (mit der Tram knapp 15 Minuten vom Hauptbahnhof) - was will man mehr? Deutschland verfügt damit nach Berlin, Mannheim, Düsseldorf und Köln über eine fünfte A-WM-taugliche Arena.
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Es wird interessant werden, wie viele der Arena-Touristen auch in den nächsten Jahren zu den Spielen kommen werden. Aber wie bei all diesen neuen Hallen - der Zuschauerschnitt wird weiter nach oben gehen, vor allem im Vergleich zur doch ziemlich versifften alten Spielstätte.
Ganz allgemein boomt Eishockey seit Corona an allen DEL-Standorten, die Zuschauerzahlen gingen nach oben. Das gilt auch für die ICE, allerdings auf weit geringerem Niveau.
Der große Bruder
Spieler wechseln zwischen der DEL und ICE ziemlich regelmäßig hin und her, von Deutschland nach Österreich zu kommen, ist aber der regelmäßigere Weg.
Dass umgekehrt Clayton Kirichenko - in der letzten Saison noch der Topscorer unter den ICE-Defendern - in Frankfurt zu einem Mega-Flop wurde, war in dieser Krassheit zwar nicht zu erwarten, zeigt aber den doch großen Unterschied zwischen den beiden Ligen.
Augsburg, Iserlohn und Düsseldorf kämpfen nicht umsonst gegen den Abstieg, sind sicher nicht der Eishockey-Stoff, aus dem die Träume sind. Doch gegen die ICE-Nachzügler aus Innsbruck oder Asiago stellen sie nachgerade NHL-Truppen dar.
Wie immer gilt: Die Top-ICE-Teams könnten auch in der DEL eine gute Rolle spielen, danach dünnt sich das Teilnehmerfeld aber schneller aus. Nicht nur die Arenen (ein jämmerliches Schauspiel wie in Asiago wäre in der DEL völlig undenkbar), sondern auch die kleinen Dinge sind in Deutschland weit professioneller als hierzulande angelegt.
Ein Beispiel dafür: Die ICE führte zwar zuerst die Headsets für die Referees ein, bis heute ist deren Funktionieren aber von Spieltag zu Spieltag auf Zufall aufgebaut. In der DEL hauten sie vom ersten Spiel an hin.
Ebenfalls weit professioneller, durch die enge Zusammenarbeit mit Magenta aber aufgelegt: Die Berichterstattung, etwa aufgrund der Spiel-Highlights. In Deutschland kompakt und konzis, in der ICE oft völlig wirr, etwa aus Salzburg, wo einfach Szenen aus der Übertragung ohne neuen Kommentar und in epischer Breite gezeigt werden.
Ob das ICE-Engagement des Red Bull Media Houses in Zukunft diese Lücke in der Außendarstellung zwischen diesen beiden Ligen zumindest etwas schließen kann?
Echte und gefälschte Legionärszahlen
(Artikel wird unterhalb des Videos fortgesetzt)
In Österreich wird (vom ÖEHV) immer wieder eine Legionärsreduzierung angeregt, dabei auf die höhere Zahl von zehn pro Team im Vergleich zur Schweiz (6) oder der DEL (9) verwiesen. Aber natürlich sind diese Zahlen geschönt, in der Schweiz werden die Eishockey-Schweizer (2 bis 3 pro Team) immer unter den Tisch fallen gelassen.
In Deutschland sieht es auch nicht anders aus, vor allem seit dem letzten Sommer: Da wurde das Staatsbürgerschaftsgesetz weiter aufgeweicht, etwa Doppel-Staatsbürgerschaften zugelassen. Schon zuvor war es leichter, Deutscher als Österreicher zu werden, danach noch mehr.
Bei der Legionärsdiskussion sollte es ja immer um nicht für die jeweiligen Nationalmannschaften selektierbaren Spieler gehen. Da fallen mir in Deutschland (ohne groß nachzublättern) Spieler wie Thomas Larkin, Alex Trivellato, Felix Scheel und Christian Wejse ein, die bei WM-Turnieren für ihre Heimatländer antreten, in der DEL aber das Legionärskontingent nicht belasten.
Die ICE hat hier neben den strengeren politischen Vorgaben (in Österreich) sogar eine IIHF-Regel adaptiert, die eigentlich nur für Nationalteams gilt und mit der sie in Europa alleine dasteht: Nur wer für das jeweilige Nationalteam (also Österreich, Italien, Slowenien oder Ungarn) spielberechtigt ist, gilt als Einheimischer.
Ein Ändern der Staatsbürgerschaft während der Saison (in Deutschland möglich) geht ebenfalls nicht. Lediglich zwei Spieler (Peter Hochkofler, Aljaz Predan) fanden hier per Ausnahmegenehmigung Gnade.
Mit anderen Worten: Die ICE bildet mit ihrer Legionärsregelung die wahren Verhältnisse ehrlicher ab als die DEL oder NL. Dass Deutschand und die Schweiz aber seit Ewigkeiten vor dem österreichischen Eishockey angesiedelt sind, hat mit Legionärszahlen weit weniger zu tun als mit einem breiteren Spielerpool aus dem Nachwuchs.
Abstiegskampf
Die Iserlohn Roosters, Augsburger Panther oder die DEG - eines dieser drei Teams muss runter, wenn nicht noch ein Wunder (etwa ein DEL2-Titel von Ravensburg) passiert. Die Panther profitierten von einer solchen Volte bereits zweimal.
Die letzten DEL-Absteiger Krefeld (nach großen internen Unruhen) und Bietigheim gingen ohne relativ große Beileidsbezeugungen in die Zweitklassigkeit, das wäre heuer vor allem bei Augsburg oder der DEG wohl anders. Beide mit großartigen Zuschauerzahlen und wunderbaren Arenen, vor allem in Düsseldorf, in zwei Jahren wieder ein WM-Standort.
Wann gab es in einer höchsten Spielklasse mit österreichischer Beteiligung das letzte Mal einen sportlichen Absteiger? 1984, also vor 41 Jahren, als der WEV in der Relegation der Grazer SV unterlag.
Die DEL hat sich gegenüber dem Abstieg länger geschlossen, dann wieder geöffnet. In Österreich fehlt es schon seit Jahrzehnten an aufnahmefähigen bzw. -willigen Teams, nur die Internationalität der EBEL/ICE sorgt daher für eine akzeptable Anzahl an Teams...