news

Nissner: Seine Entwicklung zum Unterschiedsspieler

Red Bull Salzburg will den vierten ICE-Titel in Serie erobern. Benjamin Nissner erklärt, warum die Roten Bullen ab den Playoffs kaum noch zu bezwingen sind.

Nissner: Seine Entwicklung zum Unterschiedsspieler Foto: © GEPA

"Ich bin schon heiß, die Vorfreude ist richtig groß."

Es dauert nur wenige Sekunden, bis Benjamin Nissner im Gespräch mit LAOLA1 klarmacht, wie sehr auf das Finale der win2day ICE Hockey League brennt. Am Freitag startet die best-of-seven-Serie gegen den KAC (19:30 Uhr im LIVE-Ticker >>>), die Roten Bullen haben sich bereits am Donnerstag auf den Weg nach Klagenfurt gemacht.

Im oft zitierten "Traumfinale" genießen die Rotjacken Heimvorteil, Salzburg hingegen kommt ausgeruhter ins Duell. Während der KAC bereits 13 Playoff-Spiele, darunter eine kräftezehrende Serie gegen die Black Wings Linz, absolviert hat, war der Serienmeister erst neunmal im Einsatz - mit einem Sweep gegen Fehervar und einem 4:1 gegen Bozen.

Wichtige Regenerationszeit

Die Woche Pause nach dem physisch intensiven Halbfinale gegen die "Foxes" hat Nissner und seinen Teamkollegen gutgetan. "Wir haben zwei Tage freibekommen, um Kraft zu tanken. Mittwoch und Donnerstag hatten wir Zeit, uns auf den Gegner einzustellen. Ich glaube, dass wir das Beste daraus gemacht haben."

Die Mozartstädter erfuhren erst am Dienstagabend, dass der Finalgegner erneut der KAC sein wird. Nissner verfolgte das entscheidende Spiel vor dem TV und ist überzeugt: "Sie sind stark wie jedes Jahr."

Das bekam Salzburg bereits in der Regular Season zu spüren, drei der vier Aufeinandertreffen wurden verloren. "Zu viele Gedanken würde ich daran nicht verschwenden", relativiert der gebürtige Wiener die Aussagekraft dieser Niederlagen. Immerhin konnte das letzte Duell mit 5:0 gewonnen werden - trotz zahlreicher Verletzungen im Team.

Von Beginn an den Ton angeben

Unabhängig davon, dass beim KAC fünf Stammkräfte fehlen, erwartet der Center eine Serie auf Augenhöhe. Wohl auch deshalb, da sich im Salzburger Lager herumgesprochen hat, dass mit Jan Mursak ein Unterschiedsspieler des Grunddurchgangssiegers pünktlich zum Final-Start zurückkehren wird. Mehr dazu hier >>>

"Wir schauen, dass wir von Beginn an den Ton angeben werden. Wir wissen, wie technisch stark sie sein können. Sie haben ein paar Spieler, die jeden Fehler ausnutzen können."

Benjamin Nissner über den KAC

Der KAC stellt außerdem einen Kontrast zu den bisherigen Playoff-Kontrahenten dar. Fehervar und Bozen wollten dem Meister allen voran mit ihrer physischen Komponente das eigene Spiel aufzwingen, Salzburg provozieren - was selten bis nie gelang.

Der 32-fache Meister steht hingegen für eine Spielweise, die Salzburgs Philosophie ähnelt. Das Trainer-Duo Kirk Furey/David Fischer setzt auf ein schnelles Umschaltspiel, wird der Puck verloren, soll er schnellstmöglich wieder erobert werden. Beide Teams stehen sich in puncto eisläuferischer Qualitäten und Laufintensität um nichts nach.

Nissner weiß, worauf es ankommen wird: "Wir schauen, dass wir von Beginn an den Ton angeben werden. Wir wissen, wie technisch stark sie sein können. Sie haben ein paar Spieler, die jeden Fehler ausnutzen können."

Erinnerung an CHL-Leistungen

Im Schnitt gab Salzburg in dieser Saison gegen den KAC nur 21,6 Torschüsse pro 60 Minuten ab - ein eher niedriger Wert. Muss im Finale mehr Risiko genommen werden?

"Es ist unser Mindset in den Playoffs, dass wir geradliniger spielen und Zug zum Tor finden wollen", gibt Nissner recht. Dieser Stat war ihm bisher nicht bekannt, "aber es ist gut zu wissen. Ich werde sagen, dass wir mehr Schüsse brauchen." Noch wichtiger sei es, das eigene Spiel konsequent durchzuziehen.

Wie etwa in der Champions Hockey League, besonders die beeindruckenden Heimsiege im Achtel- und Viertelfinale gegen die Lahti Pelicans (5:0) sowie den späteren Finalisten Färjestad BK (3:1) haben gezeigt, was die Red Bulls imstande sind zu leisten, wenn sie ihre PS über 60 Minuten und mehr auf das Eis bringen.

"Über diese Spiele wird bei uns oft geredet", verrät Nissner. "Es war wirklich so eine starke Saison in der Champions Hockey League, es ist in jeder Partie um etwas gegangen. Wir wollen uns daran erinnern, dass alles möglich ist und, dass wir da sind, wenn es um etwas geht."

Playoff-Modus liegt Salzburg

Ähnlich wie in der Postseason, in der Salzburg im Vergleich zur Regular Season - wie eigentlich jedes Jahr - eine Schippe drauflegen konnte.

Auffällig: In den Playoffs kassierte Salzburg durchschnittlich nur 1,67 Gegentore pro Spiel - das entspricht einem Rückgang von 36,5 Prozent gegenüber dem Grunddurchgang (2,63).

Nissner arbeitet konsequent in der Defensive mit
Foto: © GEPA

Obendrein wurden die Probleme im Penalty Killing offensichtlich behoben: Der Erfolgswert ist von 75,8 auf 88,9 Prozent gestiegen. Nur drei von 27 Unterzahlphasen mündeten in einem Gegentreffer.

Nissner versucht eine Erklärung zu finden: "Es liegt uns, dass wir in einer Serie immer gegen denselben Gegner spielen. Mit unserem System ist es in der Regular Season zudem echt schwierig, konstant zu sein - vor allem in Phasen, wo der Kader nicht so dicht ist und wir viele Ausfälle haben. Und: In den Playoffs fühlt sich jeder besser."

Entwicklung zum Unterschiedsspieler

Mit "jeder", meint der Nationalteamspieler auch sich selbst.

Der 27-Jährige liegt in der teaminternen Scorerliste nach neun Playoff-Spielen mit sieben Toren und fünf Assists auf Rang zwei, nur einen Punkt hinter Linemate Peter Schneider. Ausschließlich in Viertelfinal-Spiel 2 gegen Fehervar blieb Nissner ohne Torbeteiligung.

Überhaupt spielt der Linksschütze die punktebeste Saison seiner Karriere - 28 Treffer und 29 Vorlagen zeugen davon, dass der Wiener für spielentscheidende Momente sorgen kann. Er hat selbst bemerkt, dass ihm heuer nochmal ein Schritt gelungen ist, bleibt aber bescheiden: "Ich habe eigentlich nichts verändert."

Ein Grund sei mitunter die nötige Portion Glück, die er sich mit viel Drecksarbeit hart erarbeitet. "Ich gehe geradliniger zum Tor, auch ohne Scheibe und kehre dann ein. Ich glaube, so sind 95 Prozent meiner Tore heuer passiert", lächelt der im Nachwuchs der Vienna Capitals ausgebildete Angreifer.

Blindes Verständnis mit Schneider und Raffl

Man muss nicht immer die genauen Zutaten für das Erfolgsrezept kennen, im Falle seiner Linie mit Peter Schneider und Kapitän Thomas Raffl kennt sie Nissner aber sehr wohl.

"Wir haben Speed, Kraft, Größe. Wir ergänzen und verstehen uns einfach gut, reden viel und kennen uns in- und auswendig."

Benjamin Nissner

Das Trio ist unzertrennlich und eine absolute Konstante im Angriffsspiel der Roten Bullen. "Das gibt es ganz selten, dass du wirklich so lange in einer Linie bleibst", weiß der Center und erinnert sich: "In meinem ersten Jahr (2021/22, Anm.) hat Matt McIlvane das einmal probiert und es hat gleich funktioniert. Seitdem sind wir zusammen in einer Linie."

Man vereine untereinander alle Attribute, die es in einer Linie brauche. "Wir haben Speed, Kraft, Größe. Wir ergänzen und verstehen uns einfach gut, reden viel und kennen uns in- und auswendig." Nach all den Jahren gemeinsam hat sich freilich ein blindes Verständnis entwickelt.

"Wenn es brenzlig wird, weiß ich, wo Peter oder Thomas ungefähr stehen. Das macht es natürlich einfacher, wenn man schon weiß, wie sie sich bewegen usw. Das ist richtig cool", sagt Nissner, der gemeinsam mit Schneider und Raffl auf insgesamt 142 Torbeteiligungen kommt.

Einer der besten Center Österreichs?

Dass der 51-malige Internationale als einer der besten Center Österreichs angesehen wird, nimmt er einerseits wohlwollend zur Kenntnis, doch bleibt er gleichzeitig am Boden. "Es ist schön sowas zu hören, aber ich schaue, dass ich nie zu hoch und nie zu tief bin. Die Komplimente sind echt schön, aber ich würde das nie selbst über mich behaupten."

Trotzdem ist die Entwicklung, die Nissner in seinen mittlerweile vier Jahren in der Mozartstadt genommen hat, nicht von der Hand zu weisen. Einen gewichtigen Anteil schreibt er den gewonnenen Erfahrungen zu. "Man lernt von Jahr zu Jahr dazu. In Österreich ist es leider so, dass man erst spät richtig in eine Mannschaft eingebunden wird."

Unter Ex-Coach McIlvane habe er sich nach seinem Wechsel von Wien zu Salzburg sofort wohlgefühlt. "Es war wirklich cool, unter ihm zu spielen", so Nissner, der weiters meint: "Ich habe über die Jahre auch viel Selbstvertrauen dazu gewonnen."

Keine großen Kampfansagen

Seine vierte Spielzeit in Salzburg könnte mit dem vierten Meistertitel in Folge veredelt werden.

Folgt heuer der vierte Titel en suite?
Foto: © GEPA

Ein Kunststück, das zuletzt der VEU Feldkirch vor 28 Jahren gelang. Der Vorarlberger Klub legte 1998 noch einen fünften Titel en suite nach. Der "four-peat" wäre daher historisch, ist er seit Liga-Neugründung doch noch keinem Klub gelungen.

Selbiges galt übrigens auch für den "three-peat", der im Vorjahr mit dem Gewinn der Karl-Nedwed-Trophy perfekt gemacht wurde.

Zu großen Kampfansagen will sich Nissner nicht hinreißen lassen und betont stattdessen, was es braucht, um auch die zwölfte Playoff-Serie am Stück zu gewinnen: "Wir wissen um unsere Stärken und wenn es brenzlig wird, wissen wir auch, was zu tun ist und worauf wir uns verlassen können: die Mannschaft."



Sie haben die meisten Playoff-Einsätze der ICE-Geschichte

Kommentare