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Liebe ICE: Die Gesundheit der Spieler ist kein Spielball!

Ziehen die Spielleiter keine Grenzen, zahlen die Cracks den Preis. Es muss endlich durchgegriffen werden, denn die Gesundheit ist kein Spielball.

Liebe ICE: Die Gesundheit der Spieler ist kein Spielball! Foto: © GEPA

Schiedsrichter zu sein, ist nicht einfach. Vor allem nicht im Eishockey. Und ganz besonders dann nicht, wenn Playoff-Zeit ist.

Das Spiel wird schneller, die Intensität höher und die Checks härter - ganz zu schweigen vom Trashtalk und den unzähligen Privatduellen, die sich in so einer best-of-seven-Serie entwickeln können.

Als Referee bedeutet das: Stress. Der Körper stößt Adrenalin und Cortisol in noch größeren Maßen als schon in der Regular Season aus, die Belastung steigt. Immerhin sind die vier Schiedsrichter am Feld jene Männer, die durchgehend am Eis stehen. Das kostet Substanz.

Dafür gebührt ihnen Respekt. Sie könnten sich ihren Job oft jedoch einfacher machen. Nämlich dann, wenn vom ersten Bully weg eine Grenze gezogen wird. Und das Regelwerk strikt befolgt wird.

Wenn Strafen ausbleiben, zahlen die Spieler den Preis

Passiert dies nicht, werden Grenzen ausgelotet. Und diese gibt es in der Postseason bekanntlich nicht, da gibt es unter den Spielern keine Rücksicht auf Verluste.

Problem nur: Greifen die Refs nicht ein, bezahlen besagte Athleten dafür. Alleine im Halbfinale hat es mit Simeon Schwinger (KAC) und jüngst den beiden Salzburgern Lucas Thaler und Peter Schneider drei Cracks schwer erwischt.

Für Schwinger dürfte die Saison nach einem hässlichen Kniecheck von Henrik Neubauer in Spiel 3 vorzeitig zu Ende sein. Die Reaktion von Andreas Huber und Kristijan Nikolic: Große Strafe angeben, den Videobeweis nutzen und auf kleine Strafe revidieren. Völlig unverständlich.

Thaler und Schneider wurden in Spiel 5 gegen Bozen Opfer von "klaren Attacken gegen den Kopf", wie es ihr Coach Oliver David formulierte. Beide dürften eine Gehirnerschütterung davongetragen haben, Schneider verlor zudem einen Zahn und hat sich wohl das Nasenbein gebrochen.

Das Urteil von Tomas Hronsky und Kristijan Nikolic: Große Strafe gegen Dylan Di Perna (Aggressor gegen Thaler) angeben, den Videobeweis und das Telefonat Richtung Ebensee zu Rate ziehen, Strafe komplett zurückziehen. Gegen Cristiano DiGiacintos Check an Schneider wurde gar nicht "ermittelt".

Die Spieler müssen sich anpassen - die Schiedsrichter aber auch

Salzburg-Kapitän Thomas Raffl sagte folgerichtig: "Die Linie war in der gesamten Serie nicht so, wie sie hätte sein sollen. Es wurden Dinge gepfiffen, die auf der anderen Seite nicht gepfiffen wurden. Wir wissen, dass wir uns verbessern müssen, aber das wissen die Schiedsrichter wahrscheinlich auch."

"Crosscheck bleibt Crosscheck, Beinstellen bleibt Beinstellen und Check gegen den Kopf oder das Knie bleibt genau das - eine gesundheitsgefährende Attacke, die nun schon mehrfach achselzuckend hingenommen wurde."

Maximilian Girschele

Der Routinier legt den Finger in die Wunde. Natürlich kommt es erst zu diesen Situationen bzw. Verletzungen, weil die Spieler diese mit der in den Playoffs gewohnt härteren Gangart provozieren. Doch das bedeutet nicht, dass die Spielleiter darüber hinwegsehen dürfen, nur weil es in Richtung der Vergabe der Karl-Nedwed-Trophy geht.

Crosscheck bleibt Crosscheck, Beinstellen bleibt Beinstellen und Check gegen den Kopf oder das Knie bleibt genau das - eine gesundheitsgefährdende Attacke, die nun schon mehrfach achselzuckend hingenommen wurde.

Ein Regelwerk, das sich in einen Comic verwandelt

Während das Regelbuch im Grunddurchgang einer 1.000-seitigen Literatur gleicht, verkommt es ab der ersten Playoff-Runde zu einem Comic, in dem es nur um schöngezeichnete Karikaturen, markige Sprüche und viel Action geht.

Es macht den Anschein, als würde die Gesundheit der Spieler für die Unterhaltung der Zuschauer geopfert werden. Das Department of Player Safety (DOPS) schaut dabei einfach nur zu.

Dass Viktor Trilar, während seiner aktiven Zeit ein hoch angesehener Schiedsrichter und ab nächster Saison Head of Officiating der win2day ICE Hockey League, bei Puls24 im Interview zu kritischen Szenen kaum nennenswerte Auskunft gibt und überdies von "40 Leuten, die sich auf die Fresse hau'n wollen" spricht, gleicht einer Bankrotterklärung.

Die Gesundheit ist kein Spielball

Es braucht Maßnahmen, Konsequenzen und endlich eine klare Linie. Nicht erst morgen oder übermorgen, sondern gestern.

Damit jeder Spieler nicht nur heil in den Urlaub oder zur Weltmeisterschaft, sondern vor allem zu seiner Familie nachhause kommt.

Die Gesundheit der Athleten ist kein Spielball - und sollte es auch für die Liga niemals sein.



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