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These: Bitte nicht schon wieder Salzburg gegen KAC!

"Traumfinale", Favoritenstellung und Auswirkungen auf TV-Vertrag sowie ÖEHV-Team. Thesen und Antworten vor dem Start ins ICE-Finale:

These: Bitte nicht schon wieder Salzburg gegen KAC! Foto: © GEPA

In unserem Format "Ansichtssache" versuchen wir, Meinungen, Stimmungen, Überreaktionen oder sonstige Ansichten jeglicher Art in eine These zu packen und zu analysieren.

Das kann mal provokant sein, mal eine oft gehörte Meinung. Mal sehr strittig, mal weniger. Mal eine Prognose, mal eine simple Einordnung.

Diesmal steht das Finale der win2day ICE Hockey League im Fokus. Am Freitag steigt Spiel 1 zwischen dem KAC und dem EC Red Bull Salzburg, es ist die Neuauflage des letztjährigen Endspiels.

Auch darum dreht es sich in den folgenden vier Thesen, mit denen Eishockey-Experte Maximilian Girschele und Johannes Bauer von der Redaktion konfrontiert wurden.

1.) Bitte nicht schon wieder Salzburg gegen KAC! Ein anderes Final-Duell hätte der Liga gutgetan.

Maximilian Girschele:

Nun denn, wäre euch etwa Bozen gegen Fehervar lieber? Um ehrlich zu sein: Es wäre ein Finale, das ich der Liga und ihren TV-Partnern aus vielerlei Gründen einmal "vergönnen" würde. Um einen Punkt zu nennen: Die "ausländischen" Teams hätten viel mehr Sichtbarkeit verdient.

Doch ich schweife ab. Salzburg gegen KAC ist einfach das "Traumfinale". Die beiden Klubs haben 13 der letzten 17 Meistertitel gewonnen, sie sind die Top-Teams der Liga, haben den besten Österreicher-Kern - ihr seht, worauf ich hinaus will. Dieses Duell setzt Maßstäbe und war 2024 die beste Werbung für Österreichs Eishockey.

Aber nicht traurig sein: Die Zeit der anderen zehn (?) Teams wird irgendwann wieder kommen.

Johannes Bauer:

Ich bezweifle jetzt mal, dass eine Südtiroler Beteiligung am Finale für höheres Interesse an der Finalserie gesorgt hätte. Klammert man die "Foxes" aus, lässt sich zweifellos festhalten, dass es einfach wieder die zwei besten Teams bis zum Ende geschafft haben.

Die Liga-Spitze rückt näher zusammen, mehr Klubs schicken sich an, zumindest einmal ein Wörtchen mitzureden - aber da sind wir einfach noch nicht ganz angekommen.

Dem Argument, dass es der Liga überhaupt am meisten brächte, wenn sich mal mehr internationale Teams abseits des HC Bozen von ihrer Rolle als Beiwagen der österreichischen Meisterschaft emanzipieren, kann ich durchaus etwas abgewinnen.

2.) Der KAC hat heuer bereits bewiesen, wie man Salzburg besiegen kann. Die "Rotjacken" sind gewappnet, um den vierten Titel der Mozartstädter in Folge zu verhindern.

Johannes Bauer:

Gewappnet? Vielleicht. Zu favorisieren? Das nicht. Dafür waren die Auftritte in den ersten beiden Playoff-Serien nicht überzeugend genug, während Salzburg in neun Spielen gegen zwei höher einzuschätzende Gegner durchkam.

Dazu verfügen die "Bullen" in der Breite über den qualitativ hochwertigsten Kader, während die "Rotjacken" nicht nur eine Sieben-Spiele-Serie in den Knochen stecken haben, sondern auch abseits davon schon länger mit einer Verletzungsmisere kämpfen.

Es treffen zweifellos die zwei besten Teams der Saison aufeinander, womit ein Meister KAC keineswegs auszuschließen ist. Der Verweis auf den Grunddurchgang ist dabei jedoch weniger wert als jener auf die jüngeren Gegebenheiten, die tendenziell für eine Titelverteidigung sprechen.

Maximilian Girschele:

Die Regular Season hat in den Playoffs keine Relevanz mehr. Punkt.

Dass die größten Hoffnungen der Rotjacken auf die Rückkehr von Jan Mursak liegen, ist vielsagend. Der Slowene ist ein Unterschiedsspieler, geht mit seinem Arbeitseifer auf und abseits des Eises voran. Außerdem braucht das Powerplay des KAC das Spielverständnis des 37-Jährigen wie einen Bissen Brot.

Aber 2024 hatte ich die Titel-Chancen des Rekordmeisters noch für realistischer befunden. Salzburg ist letztendlich zu souverän durch die Playoffs und vor allem über die Hürde Bozen drübergekommen. Das Lineup ist beinahe komplett, die Stars in Top-Form.

Deshalb lautet meine Prognose: Salzburg stemmt die Karl-Nedwed-Trophy spätestens nach Spiel 6 in den Klagenfurter/Salzburger Nachthimmel.


Sie haben die meisten Playoff-Einsätze der ICE-Geschichte


3.) Salzburg und der KAC spielen im ICE-Finale nicht nur für sich, sondern für die gesamte Liga. Eine spektakuläre Final-Serie könnte sich bei der Aushandlung des neuen TV-Vertrags für alle Vereine finanziell lohnen.

Maximilian Girschele:

Ich sehe vor meinem geistigen Auge, wie in Zukunft alle Klub-Bosse aus ihren Lamborghinis aussteigen, die Teams mit Privatjets zu den Spielorten fliegen und die T-Shirt-Kanonen mit 500-Euro-Geldscheinen vollgestopft werden - ein feuchter Traum, aber nicht mehr.

Etwas zu viel Polemik? Na gut, bleiben wir beim Ernst der Sache. Es reicht im Prinzip eine Frage: Hat die letztjährige Final-Serie etwas gebracht? Nein. Der TV-Vertrag war der mit Abstand schlechteste, an den ich mich in meinen nun 26 Lebensjahren erinnern kann.

Es darf einen ja gar nicht erst schockieren, dass die Vereine keinen einzigen Cent von den Geldern sahen, welche der ORF und die ProSiebenSat.1-Puls4-Gruppe für die TV-Rechte an die Liga bezahlte. Die Rechte wurden praktisch verscherbelt.

Da braucht sich auch niemand wundern, dass die Qualität gewisser Übertragungen *hust hust* einer Schande für den Sport glich. Was es in Zukunft braucht? Mehr Qualität, mehr Präsenz, mehr Werbung, mehr Wille und Leidenschaft, das Produkt zu verkaufen. Einfach von allem etwas mehr.

Ist doch nicht zu viel verlangt - aber gut, schlimmer kann's ja nimmer werden. Oder?

Johannes Bauer:

Wer sich bei rund 350 Spielen in acht Monaten nicht groß mit der Materie auseinandersetzte, wird sich die Finalserie vielleicht ausnahmsweise ansehen - die Zielgruppe eines neuen TV-Vertrags stellt er oder sie nicht dar.

Wohl ist auch genau dies das Problem: Trotz des regen Geschehens findet die ICE im (Free-)TV kaum statt. Wie soll sie da als Produkt wachsen? Und das eine Live-Spiel mal da, mal dort geht im Grunddurchgang völlig unter, dafür ist die einzelne Partie nicht bedeutsam genug.

Es muss das Ziel der ICE sein, ihre Präsenz deutlich zu erhöhen. Und zwar in diesen acht Monaten, nicht in den kommenden zwei Wochen. Jetzt, bei steigenden Temperaturen draußen, ist das Thema Wintersport – und da zählt Eishockey dazu – fast schon gegessen.

4.) ICE-Finale als Horror fürs Nationalteam: Die fehlenden Leistungsträger von Salzburg und KAC in der WM-Vorbereitung werden das ÖEHV-Team um den Klassenerhalt bringen.

Johannes Bauer:

Na na na, wer wird denn gleich die Flinte ins Stockholmer Korn werfen? Das könnte zu Schrapnell im Knäckebrot führen.

Unerwartet schwer zu kauen war letztes Jahr hingegen das ÖEHV-Team bei der WM, und wie hieß das Finale da? Na eben. Roger Bader hätte sich bestimmt ein anderes Finale gewünscht. Aber er kennt die Situation, die Spieler kennen die Situation – und das Hockey im Nationalteam.

Wie gewöhnlich wird in der Vorbereitung damit mehr Zeit sein, jene Spieler zu sichten, die eine sinnvolle Ergänzung zum Stamm der Finalisten darstellen können.

Maximilian Girschele:

Das ist aber etwas viel Schwarzmalerei. Daher kann ich Johannes auch nur vollumfänglich zustimmen.

Natürlich ist es für den Teamchef alles andere als leiwand, wenn der Kern erst in den letzten Zügen der Vorbereitung auf den WM-Zug aufspringt. Je länger die Playoffs dauern, desto größer ist freilich die Gefahr, sich zu verletzen. Und 2024 hat es dann doch etwas gedauert, bis Bader die richtigen Linien gefunden hatte.

Doch das bietet eben auch anderen, nicht minder interessanten Spielern die Chance, sich für Stockholm - oder die nächsten Jahre - zu empfehlen. Daher reagiere ich stets mit Unverständnis, wenn der Teamchef für die lange WM-Vorbereitung kritisiert wird.

Schließlich machen dies alle Nationen - warum sollte sich Österreich freiwillig einem Nachteil aussetzen?


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