So unausweichlich wie eine griechische Tragödie.
Das Vorjahresfinale zwischen dem KAC und Red Bull Salzburg steht in der win2day ICE Hockey League auch heuer wieder auf dem Programm.
Wieder mit dem Heimvorteil für die Klagenfurter, die trotzdem als Außenseiter betrachtet werden. Wieso eigentlich? LAOLA1-Scout Bernd Freimüller analysiert:
Verletzungen
Den KAC traf es knapp vor und während der Playoffs ziemlich hart.
Zu den Langzeitverletzten Johannes Bischofberger und Luka Gomboc kamen Simeon Schwinger, Oliver Lam, Jan Mursak (wieder fit) und Steven Strong dazu. Lam und Gomboc wären Tiefenspieler, Schwinger ein Fixpunkt für die 4. Linie gewesen, die jetzt eigentlich nicht mehr existiert (David Waschnig scheint meist nur auf dem Spielbericht auf).
Das Lineup ist vorne mehr ausgedünnt als hinten (Tobias Sablattnig und Maxi Preiml sind jetzt Stammkräfte), das größte Loch hat hier Mursak hinterlassen. Seine Wirbelverletzung war nicht seine erste heuer, er kam nach Absenzen aber immer schnell ins Lineup zurück und veredelte das Powerplay. Auch im Finale?
Schlüsselspieler von KAC und Salzburg wieder fit >>>

Der KAC konnte im Entscheidungsspiel gegen Linz sechs Defender (davon Jesper Jensen Aabo mit 27 Minuten Eiszeit!) und elf Forwards aufbieten.
Die Roten Bullen mussten zuletzt immer auf Chay Genoway (mit 38 Jahren nur mehr punktuell fit) verzichten, was in der Defensive bedeutete, dass die Rollen von Paul Stapelfeldt und Phillip Sinn größer wurden.
Wer Lucas Thaler nach dem Hit von Dylan DiPerna vom Eis wanken sah, kann sich nicht vorstellen, dass er im Finale wieder fit sein soll, noch dazu, wo die Roten Bullen bei Kopfverletzungen immer sehr vorsichtig agieren. Doch die medizinische Abteilung hat für eine Rückkehr in den Spielbetrieb Grünes Licht gegeben.
Thaler spielte heuer eine überragende Saison, entwickelte sich zu einem Schussmonster. In puncto Verletzungen steigt der KAC sicher mit einem Nachteil in die Serie.
Torhüter
Atte Tolvanen gegen Sebastian Dahm - zwei Goalies, die die letzten Jahre in der ICE geprägt haben und die wohl nur bei Verletzungen oder einem einseitigen Spielstand ihren Vertretern David Kickert und Florian Vorauer Platz machen werden.
Dahm schwächelte (auf immer noch hohem Niveau) heuer ab und zu, war zuletzt aber wieder ein sicherer Wert. In Spiel 7 gegen Linz wurde er nicht allzu viel getestet, überzeugte aber mit sehr gutem Winkelspiel bei einigen Großchancen.
Die Serie gegen Bozen wäre für die Roten Bullen nicht so eindeutig verlaufen, wenn Tolvanen nicht immer hellwach gewesen wäre.
Der Austro-Finne verfügt über die beste Beinarbeit alles ICE-Goalies - bezeichnend eine Situation, als Dustin Gazley (auch kein Anfänger) allein vor ihm zum Puck kam, Tolvanen in den Butterfly ging and gegen Gazleys Finten so lang seitwärts verschob, bis dieser mit dem Puck hinter der Torlinie landete.
Wenn Tolvanen den ersten Save macht, ist er weiter ein Faktor, wo andere Goalies schon aufgeben müssen.
Es sollte ein Duell werden, wo beide Goalies keine negativen Faktoren werden, Tolvanen könnte in Schlüsselphasen aber mit dem einen oder andern unmöglichen Save mehr aufwarten.
Abrieb in den Playoffs
Salzburg benötigte gegen Fehervar und Bozen ganze neun Spiele zum Weiterkommen, der KAC gegen Pustertal und Linz vier mehr. Das könnte auch aufgrund des ausgedünnten Klagenfurter Aufgebots durchaus einen Unterschied machen, allerdings:
Die beiden Teams mit den besten eisläuferischen Qualitäten stehen - wie erwartet - im Finale, beide stehen einander in puncto Laufintensität in nichts nach.
Special Teams
Immer wieder angesprochen, Salzburg hatte heuer während der Saison im PK überraschend große Probleme.
Der KAC wiederum wirkte in den Playoffs im Powerplay zuletzt sehr statisch, hier ging eben Mursak gewaltig ab. Interessant, dass sich Nick Petersen zuletzt wieder an seiner eigentlichen Stammposition der linken Halfwall wiederfand und von dort gegen Linz auch traf.
Dass Raphael Herburger großartige Hand-Eye-Koordination zugeschrieben wurde, als beim 1:0 der Puck von seinem Bein ins Tor flipperte, war natürlich eher für einen Lacher gut, aber: Schon seit Jahren sucht und findet der mittlerweile 36-jährige Plätze im Verkehr, die sonst eher körperlich starke Spieler wie Thomas Raffl einnehmen.
Peter Schneider und Benjamin Nissner sollten neben Raffl bei 5:5 und im Powerplay wieder die größten Faktoren für die Roten Bullen sein, von der blauen Linie ist Ryan Murphy auf jeden Fall ein dominanterer Spieler als der vielbeschäftigte Jensen Aabo und Clemens Unterweger.
Stats und bisherige Formkurven der Schlüsselteams können in den Playoffs schnell gekübelt werden, zu klein ist oft der Sample Size. Stand heute wären aber auch hier wieder leichte Vorteile für die Roten Bullen auszumachen.
Teamspirit über individuelle Klasse
Die besten Skater und die besten Österreicher-Kerne der Liga treffen aufeinander - das bestätigte sich sowohl in der Regular Season als auch in den Playoffs.
Eines spricht aber für das Duo Kirk Furey-David Fischer (seine Rolle geht in der Öffentlichkeit oft unter): Der KAC tritt in ihrer Ära als Einheit auf, wo jedes Teil sich ins Gesamtgefüge einreiht, trotzdem aber seine individuellen Fähigkeiten nicht verliert, was auch Spät-Neuzugang Kevin Clark demonstriert.
Die Klagenfurter Fans schrieben ihr Team heuer schon einige Male ab - erst nach einer schwachen ersten Hälfte des Grunddurchgangs, dann nach Playoff-Niederlagen gegen Pustertal und Linz. Trotzdem stehen die Rotjacken wieder im Finale und wären das erste Team, das mit Heimvorteil als krasser Außenseiter in eine Serie ginge.
Die Roten Bullen sind auf der Jagd nach dem vierten Titel in Folge heuer defensiv nicht ganz so kompakt wie in den Vorsaisonen, wo allerdings die Defensive hemmungslos mit Legionären zugepflastert wurde und vorne ein Flaschengeist wie Nicolai Meyer für Siegestore sorgte.
Außenseiter KAC? Zwei Worte, die eher selten in einem Satz vorkommen. Auch wenn heuer vor der Finalserie vielleicht mehr Argumente für einen Meister aus Salzburg zu finden sind als im letzten Jahr, könnte das schnell zu einer haltlosen Phrase werden...