Zwei Teams stehen in der win2day ICE Hockey League noch im Spielbetrieb, die anderen stecken schon voll in der Planung für die Saison 2025/26.
Egal unter welcher Bezeichnung - hinter der Rekrutierung von Spielern steckt weit mehr, als es oft den Anschein hat. "Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich..." - so oft die Aussage von Fans, wenn es um die Zusammenstellung einer Mannschaft geht.
Meine geistige Ergänzung ist dann immer: "...nach einem Monat in der Nervenklinik liegen." Denn es gibt Fußangeln und Probleme, die in anderen Berufsfeldern so nicht auftreten und aus einem Traum- schnell einen Frustjob machen können.
LAOLA1-Scout Bernd Freimüller berichtet:
Berufsbezeichnung und Aufgabenfeld
Egal, ob als Chefscout (Rick Nasheim, Linz), Sportmanager (Christian Dolezal, Wien) oder General Manager (Oliver Pilloni, KAC) – die Berufsbezeichnungen und Aufgabengebiete sind zwar verschieden, im Kern aber die gleichen: Den Spielermarkt zu überblicken, Preise auszuloten, (Vor-)Verhandlungen zu führen und gegebenenfalls die Verträge abzuschließen.
Das kann in Details verschieden ausfallen (Wie sehr ist etwa der jeweilige Coach eingebunden? Haut der Präsident seine Kraxn auf den Vertrag?), aber die im deutschen Fußball verwendete Bezeichnung des "Kaderplaners" treffen diesen Teil der Aufgaben am besten.

Die etwa in der DEL gebräuchliche Aufsplittung – Sportmanager stellen das Team zusammen, Geschäftsführer sind für die Finanzen zuständig, der Coach zum Coachen – fällt in der ICE nicht so dezidiert aus. Coaches sind hier oft weit mehr in die Spielerauswahl eingebunden, was nicht immer zum Vorteil gereicht.
Die einen kennen wenigstens jeden Spieler in der Liga, andere wiederum haben nur oberflächliche Kenntnisse. Und zur Betrachtung anderer Ligen während der Saison haben sie ohnehin keine Zeit.
Aus nicht ganz geklärten Kompetenzen entstehen dann Sachlagen wie heuer in Innsbruck, wo nach einer desaströsen Saison die Schuldfrage bei der ursprünglichen Spielerauswahl wie eine heiße Kartoffel hin- und hergeschoben wurde.
Fiktive und reale Mitbewerber
Die Hauptaufgabe jedes Agenten: Einen Markt für seine Spieler zu kreieren. Nur: Angebote können auch durchaus fiktiv ausfallen.
Was früher Red Bull Salzburg war, ist heute gerne Graz – eine Organisation, von der Agenten (nicht vorhandene) Angebote herbeizaubern, um so den Preis beim bisherigen Team zu erhöhen oder zumindest zu halten (zuletzt etwa bei Raphael Herburger so der Fall).
"Machts irgendein Angebot, ich habe eh nichts anderes", ist ein Satz, den kein Agent je über die Lippen bringen wird. Doch die Sportmanager der Vereine haben eben die Aufgabe, das Pokerspiel zu durchschauen. Muss ich wirklich noch etwas drauflegen oder ist mein bisheriges Angebot mangels an Alternativen mehr als nur ausreichend?
Skepsis sollte hier Naivität immer übertrumpfen, wer stets an das Gute im Menschen glaubt, ist schnell ernüchtert. Das Lügen gehört zum Tagesgeschäft, doch einige Agenten bleiben hier der Wahrheit doch mehr verhaftet als andere.
(Text wird unterhalb fortgesetzt)
Aus dem Windschatten heraus
Wie im letzten Sommer vorgekommen: Ein ICE-Sportmanager ist sich mit einem Agenten über dessen ausländischen Klienten einig, das übliche kleine Hin und Her (ein paar Tausender auf und ab, ein Extraflug für die Familie) ist bereinigt. Es fehlt nur noch die Unterschrift.
Auf einmal kommt ein Anruf eines anderen Agenten: "Der Spieler wird von mir vertreten, hat ein gutes Angebot aus der Slowakei, ihr müsstet nochmals 5.000 Euro drauflegen." In diesem Fall war das Angebot auch real, der Spieler gab auch freimütig zu, dass das beste Angebot für ihn ausschlaggebend wäre.
Die ursprünglichen Verhandlungen waren also für'n A... und Friedrich der Spieler, der dann auch in der Slowakei unterschrieb. Mehr als Entschuldigungen des ersten Agenten schauten nicht mehr heraus. Ein Szenario, wie es im normalen Berufsleben wohl eher selten vorkommt...
Mehrere Agenten
Ein Agent, der im Windschatten einen anderen überholt. Gibt es eben, aber auch noch andere Szenarien. So wurde Defender Will Riedell – ein typischer AHL/ECHL-Grenzgänger – im Laufe der letzten Saison auch in der ICE angeboten. Nicht von einem, nicht von zwei, drei oder vier Agenten, am Ende waren es fünf, die ihn angeblich vertraten.
Kein Wunder, dass so mancher Teamvertreter nach hysterischem Lachen auf Verhandlungen verzichtete – sich durch so einen Wald einmal durchzuforsten, nimmt schon unglaublich viel Energie in Anspruch. Es geht hier nicht nur um fiktive Vertreter oder Trittbrettfahrer, auch die Aufdröselung internationaler Agenturen mit mehreren europäischen Vertretern sorgt leicht für Verwirrung.
Riedell landete dann zur Trade-Deadline in München – eine Organisation, die sich wenigstens um ein paar Tausender auf oder ab bei verschiedenen Angeboten nicht groß den Kopf zu zerbrechen braucht.
Der Spielermarkt ist kein Supermarkt
Ich muss mir auch immer ein Lächeln verkneifen, wenn die gebetsmühlenartige Forderung nach einem "Einsercenter" oder "Einserverteidiger" kommt, egal von Fans oder von Vereinsbossen. Ist ja nicht so, dass man diese durch eine Frage beim Billa-Regalbetreuer ("Zweiter Gang rechts, linkes Regal in Augenhöhe") finden kann.
Wer ist ein solcher Einser-Defender überhaupt? Einer, der im ersten Pärchen am Spielbericht steht? Der, der die meiste Eiszeit hat? Der mit den meisten Punkten? Kann ein Offensiv-Defender, der zwar im PP fleißig punktet, aber in Defensivsituationen (PK, letzte Minute bei Führung) gar nicht zum Einsatz kommt, definitionsgemäß ein Einserverteidiger sein?
Solche Bezeichnungen sind im Eishockeymilieu nicht annähernd so verbreitet wie in Fankreisen, würden dort ohnehin nur für Frustration oder falsche Fährten sorgen. Am Papier stellst du ein Team zusammen, wo jeder seine Stärken einbringt, im besten Fall hast du dann mehrere Alternativen für Top-Eiszeiten. Im schlimmsten Fall ist dein Einsercenter zwar seinen Konkurrenten überlegen, hat aber selbst zu viele Löcher in seinem Spiel, um das Team auf eine höhere Ebene zu stellen (siehe Patrick Grasso in Innsbruck).
Das alles ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus den täglichen Ärgernissen und Fußangeln für Vereinsmanager. Wirklich ein Traumjob oder einer, bei dem das Stresspotenzial überwiegt?