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Von der AlpsHL zur WM? ÖEHV-Keeper überzeugt beim Debüt

Jakob Brandner erntete nach der Overtime-Niederlage gegen Lettland von allen Seiten Lob. So hat der 23-Jährige seinen Einstand selbst erlebt:

Von der AlpsHL zur WM? ÖEHV-Keeper überzeugt beim Debüt Foto: © GEPA

Am Ende hat eine Hand zum Abzählen der vereitelten Top-Chancen nicht mehr gereicht.

Jakob Brandner hat bei der 2:3-Niederlage nach Overtime im ersten Testspiel der WM-Vorbereitung gegen Lettland eine absolute Talentprobe geliefert. Der Spielbericht >>>

Der 23-jährige Tormann wurde bei seinem Debüt sogleich zum besten Spieler Österreichs gewählt und erhielt viel Lob von Teamchef Roger Bader.

"Für sein erstes Länderspiel so eine Leistung, er hatte ja auch 'big saves' - es hat Freude gemacht. Er hat gezeigt, dass er ein Wettkämpfer ist. Vielversprechend", meinte der Schweizer.

"Es hat unglaublich viel Spaß gemacht"

LAOLA1 bat den Man of the Match zum Gespräch, der gebürtige Grazer strahlte über beide Ohren. "Es hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Es war ein gutes Niveau, hat viele Schüsse gegeben, viele gute Aktionen. Für mich war das wichtigste, einfach Spaß zu haben, mein Bestes zu geben - ich glaube, das habe ich ganz gut gemacht."

Vor dem Spiel machte sich freilich etwas Nervosität breit. "Es ist eine große Aufgabe, wenn du wirklich beim A-Nationalteam dabei bist. Jetzt ist man aus der Jugend raus, es ist etwas ganz anderes. Das Niveau ist höher, schneller, besser und das merkt man."

Große Anpassungsprobleme waren beim 1,90 Meter großen Torwart nicht zu erkennen, nach einem eher ruhigen ersten Drittel war Brandner besonders im Mittelabschnitt gefordert. Zu diesem Zeitpunkt führte Österreich mit 1:0, Lettland kam mit viel Energie aus der Drittelpause und drückte vehement auf den Ausgleich.

"Mir ist es lieber, wenn ein technisch unsauberer Goalie Schüsse hält, als wenn ein technisch perfekter Tormann Scheiben reinlässt."

Teamchef Roger Bader

Doch lange biss sich der WM-Dritte von 2023 am überragend aufgelegten Debütanten die Zähne aus. Bevor die Letten per Doppelschlag (28., 29.) das Spiel drehen konnten, sorgte Brandner mit einem Monstersave für Szenenapplaus der rund 100 Fans in der Halle 3 des Eissportszentrums Kagran.

Nicht die beste oder eleganteste Technik, aber: "Er hält Schüsse"

Der junge Keeper wusste das Spiel gut zu lesen, war nach gefühlt jedem Querpass Lettlands durch den Slot trotzdem zur Stelle.

Seine Technik sei nicht "die beste oder eleganteste, aber er hält Schüsse", schätzte Bader ein. "Mir ist es auch lieber, wenn ein Goalie untechnisch Schüsse hält, als wenn ein technisch perfekter Tormann Scheiben reinlässt", lächelte der Teamchef.

Damit wird auch Brandner gut leben können, der Nationalteam-Neuling zeigte sich mit seiner Leistung sehr zufrieden. "Natürlich waren ein paar schwere Schüsse dabei, ich habe auch ein paar Fehler gemacht, die ich gerne ausbessern möchte", gab sich der Tormann gleichzeitig selbstkritisch.

Was ihm selbst aufgefallen sei? "Einmal einen Schritt zu langsam, vielleicht einmal nicht gut genug durch die Spieler durchgeschaut, die Rebound-Kontrolle mal etwas schwächer, nicht geduldig genug - einfach viele Kleinigkeiten, die dann mehr werden, worauf man aufpassen muss."

Steiler Aufstieg

Der Grazer hat heuer einen steilen Aufstieg hingelegt, nachdem er die letzten Jahre etwas unter dem Radar unterwegs war.

Seinen letzten Nationalteam-Auftritt hatte er im Rahmen der U20-Weltmeisterschaft 2021 in Kanada. Darüber hinaus spielte Brandner drei Jahre in Finnland, danach drei weitere Jahre in der Alps Hockey League bei HK Celje.

Jakob Brandner im Haie-Dress
Foto: © GEPA

Erst im vergangenen Dezember bestritt der Rechtsfänger sein erstes Spiel in der win2day ICE Hockey League, als der HC Innsbruck auf den verletzten Evan Buitenhuis verzichten musste. Brandner sollte kurzfristig eigentlich nur aushelfen, empfahl sich aber mit starken Leistungen für weitere Einsätze und schließlich einen Vertrag am Inn bis 2027.

"Ich war ein bisschen überrascht", verriet er und führte aus: "Aber es war für mich einfach wichtig, dass ich dort diese Spielpraxis sammeln kann und auf so einem hohen Niveau die Erfahrung bekomme. Daraus konnte ich viel lernen, das kann ich auch für meine weitere Karriere mitnehmen."

Führt die Reise bis nach Stockholm?

Von der AlpsHL in die ICE Hockey League und schließlich zum Nationalteam - der Steirer kann noch gar nicht richtig fassen, wie die letzten Monate für ihn verlaufen sind.

"Ich bin immer noch dabei, das zu begreifen, weil es wirklich schnell gegangen ist. Es war ein großes Auf und Ab. Es ist schwierig, alles zu erfassen und zu verstehen. Aber ich genieße es einfach", sagte Brandner.

"Natürlich ist es das große Ziel, dass man mitfährt."

Jakob Brandner über die WM

Zu Beginn dieser Woche sei er "gleich mal schockiert" gewesen. Warum? "Ich bin lange nicht mehr am Eis gestanden und dann steigt man direkt mit so guten Spielern aufs Eis. Ich habe mir gedacht: Boah, wie passe ich in die Truppe rein?" Doch mit jedem Training fühlte er sich wohler und "ich glaube, das hat man im Spiel gesehen."

Liefert der Torhüter weitere Talentproben ab, könnte er durchaus ein Kandidat für die WM in Stockholm sein. "Natürlich ist es das große Ziel, dass man mitfährt", betonte der Steirer.

Doch er bleibt bodenständig: "Ich versuche einfach alles Schritt für Schritt zu machen. Der erste Schritt war gut zu trainieren, ein Spiel zu bekommen, im Spiel gut arbeiten - und so werde ich auch weitermachen."



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