"Bevor ich hierher angereist bin, habe ich meiner Frau und den Kindern gesagt, wie sehr ich mich freue, wieder da zu sein."
Dominic Zwerger war nie weg. Doch seine Freude, wieder zum Nationalteam zu stoßen, wollte er gar nicht erst verbergen. Angesichts des Starts der Vorbereitung auf die nächste WM im Mai in Stockholm kommen die Erinnerungen an die "Eishockey-Party" in Prag wieder hoch.
"Wir haben die ganze Nation mitgerissen, alle Schweizer haben mir dazu gratuliert, was wir für eine WM gespielt haben. Das war wirklich Gänsehaut und Emotionen pur", strahlt der Angreifer im Gespräch mit LAOLA1.
Leistungsträger von Anfang an dabei
Zwerger ist früh ins Teamcamp eingerückt, weil mit dem HC Ambri-Piotta schon in den Pre-Playoffs der Schweizer National League Schluss war.
Dadurch kann der 28-Jährige die komplette fünfwöchige WM-Vorbereitung in Angriff nehmen, was nicht von Nachteil ist. "Natürlich kennen wir alle das System, aber es hilft, wenn du länger dabei bist und schneller reinfindest. Du bist gleich in die Mannschaft integriert, außerdem kriegst du gute Trainingseinheiten, statt zuhause zu sitzen."
Der Vorarlberger ist ein wichtiger Bestandteil der ÖEHV-Auswahl, war bei der Weltmeisterschaft 2024 in Prag sowie der Olympia-Qualifikation im vergangenen August Österreichs Topscorer. Bei beiden Turnieren konnte er nach schwierigen Jahren wieder zeigen, was er kann.
Nur wenige Spieler können mit dem Schläger so gut umgehen, wie Zwerger, der außerdem über einen hohen Hockey-IQ verfügt. Nicht ohne Grund war in Schweizer Medien in der Vergangenheit immer wieder vom "Montanara-Gretzky" die Rede.
Punkteschwächste Saison nur die halbe Wahrheit
Doch Zwerger konnte in der abgelaufenen Spielzeit nicht an seine internationalen Top-Leistungen anschließen und erlebte seine punkteschwächste Profi-Saison.
"Ich habe eine gute, positive Saison gespielt. (..) die Fans, die sich nicht auskennen, schauen natürlich nur auf die Punkte und nicht auf die Spiele."
Das ist aber nur die halbe Wahrheit, betont der Spielmacher: "Ich habe eine gute, positive Saison gespielt. Die Punkte waren nicht so da wie in den letzten Jahren - und die Fans, die sich nicht auskennen, schauen natürlich nur auf die Punkte und nicht auf die Spiele. Doch man kann nicht jedes Jahr gleich viele Punkte haben, wir sind ja keine Roboter."
Zur Wahrheit gehört zudem, dass sein Head Coach Luca Cereda im Verlauf der Spielzeit immer seltener auf Zwerger setzte. Gestartet war er in der Top-Linie, mit dem späteren Topscorer und Ex-NHL-Spieler Dominik Kubalik an seiner Seite. Beendet hat Zwerger das Jahr in der vierten Linie, mit Eiszeiten unter zehn Minuten.
Negativer Höhepunkt in dieser Hinsicht war sein Aufgebot als 13. Stürmer rund um den Jahreswechsel. Eine Erklärung dafür kann er nicht liefern. "Ich weiß es selbst nicht. Ich habe einfach eine kleinere Rolle vom Coach bekommen. Gott weiß warum, keine Ahnung."
Dennoch konnte Zwerger erstaunlich gut damit umgehen und hat bereits einen Haken darunter gesetzt. "Ich habe schon härtere mentale Kämpfe überstanden. Das ist das kleinste Problem, ob ich jetzt weniger Eiszeit von ihm bekomme oder nicht."
"Fühle mich eigentlich so gut wie noch nie"
Viel wichtiger ist ihm, das Jahr verletzungsfrei bestritten zu haben. Das gibt Zwerger mental viel Kraft, gesteht er. "Ich klopfe jeden Tag auf Holz, damit ich nie mehr erleben muss, was ich durchgegangen bin."
Im Jahr 2022 erlitt "Zwergy" zwei Gehirnerschütterungen innerhalb von zwei Monaten, hatte lange mit den Folgen zu kämpfen. "Ich hatte sehr viele dunkle Momente und schwierige Tage, weil ich nicht mal gewusst habe, ob ich am nächsten Tag aufwache oder nicht", erzählte er LAOLA1 in einem Interview vor zwei Jahren.
Heute sagt der Nationalspieler: "Ich fühle mich eigentlich so gut wie noch nie. Ich bin physisch fit, fühle mich mental sehr gut. Ich habe eine gesunde Familie zuhause, zwei gesunde Kinder, eine gesunde Frau. Alles, was im Leben zählt, ist gesund und glücklich zu sein."
Beim Nationalteam soll der Knoten platzen
Seinen vollen Fokus legt Zwerger nun auf das Nationalteam.

In den nächsten Wochen will er endlich "die Seuche vom Schläger" wegbekommen, die ihn das Jahr über begleitet hat. Der Forward hofft, "dass ich hier ein paar Punkte mehr mache, mehr Scheibenglück habe und ich der Mannschaft helfen kann, zu gewinnen."
Dass für die ersten zwei von insgesamt neun Testspielen mit Lettland eine gestandene A-Nation und obendrein der Bronze-Gewinner der WM 2023 nach Wien kommt, erachtet der 28-Jährige als positives Zeichen. "Wie man sieht, werden die Gegner nicht schlechter, sondern immer besser."
Neben den Balten trifft Österreich im Laufe der Vorbereitung auf Ungarn, Weltmeister Tschechien, Deutschland und Rekordchampion Kanada. "Viel besser geht es nicht", schwärmt Zwerger und führt aus: "Das sagt schon etwas darüber aus, welchen Fortschritt das österreichische Eishockey gemacht hat. Da sind wir sehr stolz."
Unterschätzt wird Österreich nicht mehr
Die WM 2025 wird für das ÖEHV-Team die vierte in der Top-Division in Folge sein.
"Die wissen alle, dass wir Eishockey spielen können und eine sehr gute Nation sind. Wenn man uns nicht ernst nimmt, dann hat man gesehen, was passieren kann."
Nach der erfolgreichen Endrunde in Tschechien glaubt Zwerger nicht, dass Österreich nochmal unterschätzt werde. "Die wissen alle, dass wir Eishockey spielen können und eine sehr gute Nation sind. Wenn man uns nicht ernst nimmt, dann hat man gesehen, was passieren kann."
Norwegen und Finnland bezwungen, Kanada in einer historischen Aufholjagd einen Punkt abgeluchst, der Schweiz bis zum Schluss einen harten Fight geliefert - "wir haben gegen die besten Nationen der Welt bewiesen, dass wir mitspielen können", strahlt Zwerger.
Das Nationalteam will an daran anknüpfen und wieder für Furore sorgen. "Wir wollen aufs Neue beweisen, dass wir in jedem Spiel mitspielen können, wenn wir von Anfang an unser Spiel spielen und jedem Gegner zu 100 Prozent aufdrücken."
Dann hat man wieder das Potenzial, "für jede Nation gefährlich zu sein."