Am Samstag (18:30 Uhr im LIVE-Ticker >>>) wird eine elendslange Durststrecke endlich enden.
Über sechs Jahre nach dem letzten Österreicher-Duell in der NHL zwischen Michael Raffl und Thomas Vanek stehen sich diesmal Marco Kasper und Marco Rossi gegenüber. Beide sind der Inbegriff einer neuen Generation an rot-weiß-roten Eishockeystars, die den Weg in die stärkste Liga der Welt gefunden haben.
Dass sich zwei Österreicher auf diesem Niveau begegnen, ist nicht nur für die beiden selbst, sondern für den gesamten österreichischen Eishockeysport ein bedeutender Moment.
Rossi läutete eine neue Ära für Österreichs Eishockey ein
Rossi war am 7. Oktober 2020 der erste Österreicher seit Michael Grabner und Andreas Nödl 2006, der im NHL-Draft gepickt wurde. Mit ihm schafften es Thimo Nickl und Benjamin Baumgartner ins Rampenlicht.
Zwei Jahre später ging Kaspers Aktie über den Tisch, einen Pick früher als Rossi. Neben ihm wurde auch Vinzenz Rohrer gedraftet, der mittlerweile Schweizer Meister und Champions-Hockey-League-Sieger ist und gute Chancen haben dürfte, im Sommer nach Montreal oder Laval zu übersiedeln.
Dort befindet sich David Reinbacher bereits, der Defender war der fünfte Pick des NHL-Drafts 2023 – an derselben Stelle wie Thomas Vanek 20 Jahre zuvor. Und in der vergangenen Talenteziehung wurden die Namen von Gregor Biber und Vasily Zelenov aufgerufen.
Österreichs Talente müssen ins Ausland
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich zwei Österreicher in der NHL duellieren, ist in den letzten Jahren exponentiell gestiegen.
Dafür gibt es klare Gründe: Fast alle Talente haben ihre Jugendjahre in Top-Nationen wie Schweden, der Schweiz oder Kanada verbracht. Dort sind die Ausbildungsprogramme weitaus professioneller, sowohl in der täglichen Betreuung als auch in der physischen und taktischen Ausbildung.
In Österreich fehlt es hingegen an hochklassiger Förderung, regelmäßiger Spielpraxis auf Top-Niveau und vor allem an einer klaren Perspektive für junge Talente.
"Besserung? Nicht in Sicht. Obwohl die aktuelle Generation um Kasper, Rossi, Reinbacher und Co. zeigt, dass österreichische Talente das Potenzial für die NHL haben. Wer die Chance hat, muss fast zwangsläufig ins Ausland."
Natürlich haben auch ihre Familien einen großen Anteil daran - sie haben ihre Kinder früh gefördert und viele Strapazen auf sich genommen, sind im Falle von Rossi, Reinbacher oder Rohrer fast täglich stundenlang zwischen Vorarlberg und der Schweiz gependelt.
Dass Österreichs Nachwuchs viel besser gefördert werden kann und muss, ist kein Geheimnis. Dass der Eishockeysport in Österreich keinen großen Stellenwert hat, ist ebenso bekannt. Die Strukturen hierzulande sind veraltet, die Gedankengänge mancher Funktionäre im Verband wie auch der Liga ebenfalls.
Besserung? Nicht in Sicht. Obwohl die aktuelle Generation um Kasper, Rossi, Reinbacher und Co. zeigt, dass österreichische Talente das Potenzial für die NHL haben. Wer die Chance hat, muss fast zwangsläufig ins Ausland.
Von Bewunderern zu Vorbildern
Rossi und Kasper haben es trotzdem geschafft.
Sie waren einst selbst Bewunderer und dienen heute den Stars von übermorgen als Vorbilder. Ihre Geschichten zeigen, dass es sich lohnt, das Elternhaus frühzeitig zu verlassen und seine Träume zu verfolgen.
Natürlich ist dies ein schwieriger Schritt – um überhaupt in die Nähe der NHL schnuppern zu können, aber ein notwendiger.