Nordische Ski WM 2025
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These: Kein WM-Gold für die Skispringer wäre eine Niederlage

Ist Gold Pflicht für Tschofenig & Co.? Die LAOLA1-Redaktion diskutiert vier steile Thesen zur Nordischen WM.

These: Kein WM-Gold für die Skispringer wäre eine Niederlage Foto: © GEPA

Am Donnerstag starten die ersten Bewerbe bei der Nordischen Ski-WM in Trondheim

Los geht es mir dem Freistil-Sprint der Langläuferinnen und Langläufer (ab 12:30 Uhr), danach folgt die Nordische Kombination der Frauen mit dem Massenstart (Langlauf 15 Uhr, Springen 17 Uhr). Beides im LIVE-Ticker >>>

Bevor es losgeht, hat die LAOLA1-Redaktion zwei der 3erGondel-Hosts, Daniela Kulovits und René Mersol, mit vier steilen Thesen zur WM konfrontiert.

Ist Gold für Österreichs Springer ein Muss? Holen die Langläufer mehr Medaillen als die Kombinierer? Diese und zwei weitere Thesen stehen zur Diskussion: 

1.) Wenn Österreich nicht in jedem Männer-Bewerb der Skispringer Gold macht, wäre das eine Niederlage.

Daniela Kulovits:

Hätte Österreich in diesem Winter jedes Einzelspringen gewonnen, nicht mal dann hätte ich diese These unterschrieben. Ich werfe fünf Euro ins Phrasenschwein und meine: Eine WM hat eigene Gesetze, im Skispringen kann sowieso immer alles passieren.

Ja, die Österreicher haben weite Teile der Saison inklusive Vierschanzen-Tournee dominiert. Ja, Daniel Tschofenig, Jan Hörl und Stefan Kraft sind die besten Skispringer dieses Winters. Für eine Gold-Medaille braucht es am Ende des Tages aber auch immer eine Portion (Wind-)Glück. Auf der Großschanze wäre alles andere als Gold zugegeben eine Enttäuschung, im Teambewerb fast Pflicht.

Springen auf der Normalschanze nehmen jedoch nicht selten einen unerwarteten Verlauf. Das weiß auch Stefan Kraft, der bei der WM 2023 zur Halbzeit auf Gold-Kurs lag und sich am Ende mit "Blech" begnügen musste. Den letzten Bewerb auf der Normalschanze in Trondheim hat übrigens ein gewisser Ryoyu Kobayashi gewonnen, der auch bei der WM-Generalprobe zuletzt in Sapporo zwei Mal ganz oben auf dem Podest stand.

René Mersol: 

Ich sehe es etwas anders als Dani. Denn ich empfinde diese These nicht als derart weit hergeholt.

Ich denke schon, dass wir zumindest zwei Goldene holen: auf der Großschanze und Team. Dass wir in allen drei Bewerben Gold holen, würde ich mir aber nicht zutrauen zu behaupten. Da muss, bei aller Dominanz in dieser Saison, wirklich alles passen. Zudem sind Springen auf der Normalschanze aufgrund ihrer Seltenheit die große Unbekannte. 

Aber um konkret auf die Aussage in der These einzugehen: Wenn wir "nur" zwei Mal statt drei Mal Gold holen, kann man bei aller Liebe nicht von einer Niederlage sprechen. Dann dürfen wir unsere Springer mindestens genauso abfeiern, wie bei der Vierschanzentournee. 

Eine Niederlage wäre es in meinen Augen nur, wenn wir bei den Männern gar kein Gold holen.  

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

2.) Wir werden in Trondheim mehr rot-weiß-rote Medaillen im Langlauf erleben als in der Nordischen Kombination.

René Mersol:

Eine gewagte These, aber das ist wohl auch der Gedanke dahinter. Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt: Das ist schwer vorstellbar. Das würde ich heute so nicht mehr behaupten wollen.

Wenngleich ich Medaillen in der Kombi nach wie vor für wahrscheinlicher halte, muss man die positive Entwicklung im Langlauf hervorheben. Teresa Stadlober war schon davor eine Bank, mittlerweile ist auch Mika Vermeulen ein Medaillenkandidat. Auch Benjamin Moser nähert sich der Spitze immer weiter an.

Wer holt öfter Edelmetall? Die Kombinierer um Lamparter (l.) oder das Langlaufteam um Stadlober (r.)?
Foto: © GEPA

Mein Tipp aus Episode 20 der 3er-Gondel ist ja: Wir holen da wie dort zwei Medaillen. Müsste ich mich für eine Sportart entscheiden, würde ich dennoch sagen, dass wir in der Kombi öfter Edelmetall holen.

Daniela Kulovits:

Auch meine Tendenz geht eher dahin, dass Österreich mehr Medaillen in der Nordischen Kombination holt. Ich sehe es ähnlich wie Kollege Mersol und glaube, dass Rot-Weiß-Rot in Trondheim die erste Langlauf-WM-Medaille seit 1999 erringen wird.

Die Chancen auf Edelmetall stehen in der Kombination dennoch höher. Mit Johannes Lamparter hat das ÖSV-Team einen Top-Athleten in seinen Reihen, der in dieser Saison fünf Mal auf dem Podest stand, ein Mal ganz oben.

Ein Selbstläufer ist Edelmetall aber auch für die Kombinierer nicht, auch wenn im Teambewerb bei den vergangenen Großereignissen immer Verlass auf die Österreicher war. Die Dichte an der Spitze ist hoch und so kann es durchaus passieren, dass die Kombinierer am Ende vielleicht leer ausgehen, während bei den Langläufern am Tag X alles zusammenpasst.

3.) Österreich wird im Medaillenspiegel am Ende vor Heim-Nation Norwegen liegen.

Daniela Kulovits:

Das wäre schlichtweg eine Sensation. Das untermauern die nackten Zahlen eindrucksvoll. Betrachtet man allein die vergangenen fünf Weltmeisterschaften, war Norwegen jedes Mal die Nummer eins im Medaillenspiegel.

Österreich hat es in diesem Zeitraum nur ein Mal in die Top drei geschafft, 2021 belegte Rot-Weiß-Rot Platz zwei. Die Norweger waren dennoch meilenweit entfernt: Österreich holte insgesamt sieben Medaillen, die Wikinger überragende 31. Bei der vergangenen WM 2023 lautete die Medaillen-Bilanz ähnlich - 7:27.

Auch 2025 wird sich Österreich nach der Decke strecken müssen, um zweistellig abzuräumen. Das könnte alleine den norwegischen Langläufern um Johannes Klaebo und Therese Johaug gelingen. Österreich sollte sich wohl eher mit Deutschland messen. Bei den vergangenen fünf Weltmeisterschaften ist es dem ÖSV-Team nämlich auch nur ein einziges Mal gelungen, vor dem großen Nachbarn in der Medaillen-Bilanz zu landen.

René Mersol:

Ich kann der Aussage von Dani kaum etwas hinzufügen. Sorry, meine Lieben, aber diese These ist einfach zu weit hergeholt. Norwegen ist das Nordische Wintersportland schlechthin. 

Alles, was Recht ist, aber so unfassbar patzen können die Norsker gar nicht, dass sie im Medaillenspiegel am Ende hinter Österreich landen. Rang zwei halte ich aber für realistisch. 

Unsere Konkurrenten sind auch meiner Meinung nach Nationen wie Deutschland. Außerdem sehe ich uns in Konkurrenz mit Schweden, alle anderen sollten wir jedenfalls hinter uns lassen.  

4.) WM im Mekka das Nordischen Ski-Sports: Trondheim wird sogar die Fan-Rekorde der WM 2011 in Oslo (275.000 offiziell verkaufte Tickets) brechen.

René Mersol:

Mit dieser These tu' ich mir ein bisserl schwer. Möglich ist das natürlich.

Stand Montag waren etwas mehr als 190.000 Tickets verkauft, wie die Veranstalter bekanntgaben. Die Frage wird sein, wie die WM speziell für die Norweger läuft.

Volle Ränge sorgten 2011 am Holmenkollen für eine Top-Kulisse.
Foto: © GEPA

Ob da nun noch knapp 85.000 dazukommen? Unmöglich zu prognostizieren. Das Potenzial dafür ist da, ohne Glaskugel maße ich mir aber keine Vorhersage an.

Wünsche würde ich es mir für den Nordischen Skisport aber auf jeden Fall.

Daniela Kulovits:

Ich bin eher skeptisch, was den Fan-Rekord betrifft, der Holmenkollen ist dann doch nochmal eine andere Hausnummer als Trondheim.

Es braucht aber auch nicht immer Rekordzahlen an Zuschauern für eine gelungene WM. Ich bin mir sicher, Trondheim wird ein mehr als würdiger Ort für diese Titelkämpfe sein. Eine Nordische WM in Norwegen ist wie eine Ski-WM in Österreich.

Man wird die Leidenschaft und Begeisterung, die dieses Land für den nordischen Skisport hat, zweifelsohne spüren. Ich hoffe, diese Stimmung schwappt auf die Athlet:innen über – dann wird das mit Sicherheit eine WM, die im Gedächtnis bleibt. Ähnlich wie jene 2011 in Oslo.

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